Reykjavík

Die ihrer Lage nahe des 64. Breitengrades (64°09' N - 21°56' W) nach nördlichste Hauptstadt der Welt ist keineswegs auch die kälteste. Mit ihrer klimatisch günstigen Lage in der Nähe des Golfstromes ist es dort im Jahresmittel mit 4,7 °C (Frankfurt ~10 °C) und während der Sommermonate Juli und August mit 10,5 °C (Frankfurt ~19 °C) zwar kühler, die mittlere Spanne zwischen den Extremwerten aber gering.

 

Das heute bunte Treiben der Hauptstadt ist zwar das einer Kulturmetropole, aber dennoch ist an Reykjavík der Charme (und die Geschichte) eines Fischerdorfes haften geblieben. Erstmals besiedelt von Ingólfur Arnarson im Jahre 874 bekam Reykjavík erst 1786 die Stadtrechte verliehen mit damals gerade mal 300 Einwohnern (weniger als 1 % der Gesamtbevölkerung). Waren es noch um 1900 nur ca. 5000 Isländer, die in der Stadt lebten, so bevölkern heute ca. 160.000 Leute (also ca. 55 % der Gesamtbevölkerung) den Großraum Reykjavík.

Der Name Reykjavík bedeutet soviel wie "Rauchbucht", welcher auf die geothermische Aktivitäten der Zeit der Besiedlung zurückzuführen ist. 871 kam Ingólfur Arnarson im Rahmen der nach Expansion strebenden Wikingerfahrten nach Island. Er soll Überlieferungen zufolge seinen Hochsitz (eine Art Thron des Stammesführers) in der Nähe des Ingólfsfjall ins Meer geworfen haben, um der Tradition folgend dort, wo die Säulen (die zumeist reich mit Schnitzereien verziert waren) an Land gespült würden, eine Siedlung zu errichten. Erst drei Jahre später fanden seine Leibeigenen die Säulen in der "Rauchbucht" und so wurde Ingólfur Arnarson nach vielen missglückten Siedlungsversuchen anderer Wikinger und irischer Mönche der erste dauerhafte Siedler.

Heiße Quellen, die überall in den geothermisch aktiven Zonen Islands vorkommen, wurden seit Beginn der Besiedlung als Badestellen und Wachsplätze genutzt. Heute mehr denn je machen sich die Isländer diese Energie zu nutze. Heiße Quellen werden unterirdisch angezapft und dienen zur Strom- und Warmwasserproduktion. Über Pipelines wird das heiße Wasser nach Reykjavík geleitet und hier in einer hochmodernen, 24 Mio. Liter fassenden Speicheranlage, der sogenannten "Perle", zur Nutzung zwischengespeichert.

Besonders bekannt und vor allem sehenswert ist die auf einer Erhebung inmitten Reykjavíks gebaute Hallgrímskirche. Der imponierende Bau (gebaut 1945-1986 nach Plänen von Guðjón Samúelsson (1937-1986)) ist der Struktur von Basaltsäulen nachempfunden, wie man sie beinahe überall auf Island als Zeichen ehemaliger Lavaflüsse wiederfindet. Vor der Kirche befindet sich eine Statue von Leifur Eriksson, der als eigentlicher Entdecker Amerikas gilt.