1. August 2001

Am Morgen lassen wir Dawson City und den Yukon endgültig hinter uns zurück und machen uns auf den Weg gen Alaska. Der Highway, der uns auf dem Kamm einer Bergkette über die Grenze führt nennt sich Top-of-the-World Highway und bietet beeindruckende Rundumblicke in weite Ferne.

Der Highway ist eigentlich nur eine Schotterpiste und neben dem "Alaska-Highway", der weiter westlich verläuft, die einzige Zufahrt nach Alaska, allerdings ist er nur im Sommer geöffnet. Immer wieder müssen wir anhalten, weil die Strecke wegen Straßenarbeiten kurzzeitig blockiert wird. Es geht hoch hinauf, letzte Schneereste zieren den Wegesrand.

Etwa 120km fahren wir bevor wir zum Poker Creek kommen, das eine offizielle Einwohnerzahl von exakt zwei Personen aufweist (zwei - vermutlich strafversetzte - Grenzbeamte).  Wir wollten eigentlich nicht pokern und zum Grenzübertritt gültige Rückflugtickets vorweisen können. Leider waren diese nicht in Dawson City als wir sie abholen wollten und so müssen wir jetzt auf unser Glück hoffen. Aber alles geht gut, der Beamte ist sogar recht freundlich. Wenig später stoppen wir an einer Raststätte, und sehen uns unvermittelt amerikanischen Preisen ausgeliefert. Na ja, hier ist es wohl extra teuer, aber von nun an müssen wir uns wohl daran gewöhnen, dass alles etwas teuer sein wird.

Nach der Grenze führt der Highway hinab ins Tal, vorbei an seltsamen "Nestern" ;-)).

Außerdem sieht man alle Nase lang eine Historic Site, die die meisten Europäer als Industrieschrott bezeichnen würden, hier aber an die Epoche des Goldrausches erinnern. Über den laut Karte geschlossenen Taylor Highway gelangen wir schließlich nach Tok, wo wir auf dem Tok-Cut-Off  Richtung Glennallen weiterdüsen.

Die Landschaft ändert sich nun zunehmend und bald bekommen wir einen Vorgeschmack auf das was uns hier im Norden erwartet: endlose Wälder und Highways ;-))

Kurz hinter Glennallen haben wir vom Fahren genug und machen auf einem netten staatlichen Campingplatz Halt. Als wir aussteigen, erwartet uns, was wir schon als überstanden betrachteten: Unmengen an Mücken. So richtig viele. Nur mal so zum vorstellen. Trägt man etwas Dunkles, so kann man sicher sein, dass innerhalb von Minuten man mindestens 100 Mücken darauf sitzen und versuchen, ihren Stechrüssel in Position zu bringen. DEET wird unser neuer Freund.......

Am Abend gibt es dafür mal wieder was richtig leckeres zum Essen: Kartoffelpuffer mit Apfelmus, später frischen, selbst gemachten Apfelkuchen ;-))

2. August 2001

Am Morgen brechen wir auf und halten uns Richtung Anchorage. In den ersten 10 Minuten müssen wir noch die Mücken im Van erledigen, die sich am letzten Abend eingeschlichen haben, eine wahre Jagd....

Immer näher rücken die zunächst fernen Bergkette und immer fantastischer wird die Aussicht.

Auf unserem Weg stoppen wir kurz am Manatuska Gletscher und halten unsere Mittagspause dort ab.

Bevor wir Anchorage erreichen nehmen wir ein erfrischendes Bad in einem See, dann geht's in die Stadt. Wir nutzen die Vorzüge der Zivilisation, um mal wieder E-Mails zu lesen und unsere Ausrüstung beim REI zu ergänzen. Am Abend parken wir unterhalb des Flattop Mountains, dem Hausberg von Anchorage.

Wir packen unseren Krempel und marschieren los. innerhalb der 45 Minuten, die wir bis zum Gipfel benötigen geht die Sonne über Anchorage unter.

Oben ist es windig und entsprechend kühl. Simon, Sabine und ich können der Versuchung (keine Mücken, keine Bären) nicht widerstehen und biwakieren, während Daniel im Zelt schläft. Bereit vor uns hatten Leute Steinwälle als Windschutz aufgehäuft, die wir jetzt dankbar nutzen.

3. August 2001

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, ist von Anchorage nichts mehr zu sehen. Es liegt unter einer dicken Wolkenschicht begraben.

Wir frühstücken kurz und machen uns dann wieder auf den Rückweg.

Nach 30 Minuten wieder zurück am Van fahren wir erstmal in die Stadt und genehmigen uns ein zweites Frühstück im Hoggs Brothers Restaurant. Das Wetter wird wieder mal schlechter. Als wir am Nachmittag gen Seward aufbrechen hat es angefangen zu nieseln.

Das Wetter dämpft unsere Laune aber sie wird etwas besser, als wir uns in Portage eine Ausstellung zum gleichnamigen Gletscher ansehen. Später am Nachmittag bauen wir im Regen unser Camp auf dem Black Bear Campground auf und zum Ausgleich auch einen Busch-Turm ;-))

4. August 2001

Es regnet die gesamte Nacht uns so packen wir morgens unsere Zelte triefend nass ein. Am Nachmittag gelangen wir schließlich nach Seward. Es ist zwar immer noch bewölkt, aber wenigsten regnet es nicht mehr.

Sabine, Daniel und ich schauen uns das Artic Sea Life Center an während Simon den Ort unsicher machen will. Nach einem Käffchen in einem kleinen Café brechen wir wieder auf. Wir müssen einige Kilometer zurückfahren und biegen dann zum Exit Glacier ab. Schon von weitem hebt sich das blauweiße Eis stark vom grünen Wald ringsum ab.

Als wir auf dem Parkplatz ankommen, herrscht für alaskanische Verhältnisse beinahe schon Gedränge. Über einen kurzen Pfad gelangen wir bis ans Eis und staunen erstmal über die Dimensionen....

Ein geschwätziger, aber sympathischer (summer-job) Ranger erklärt uns einige Details und fragt uns, wo wir die Nacht verbringen werden.  Mehr im Scherz rät er uns zu einer Bergtour entlang des Gletschers, die uns auf das Harding Icefield bringen soll. Doch wir finden die Idee hervorragend und schnell ist unsere Ausrüstung gepackt, eine Genehmigung und eine bärensichere Essensbox besorgt. Am späten Nachmittag laufen wir los und werden gleich zu Anfang mit unglaublichen Bildern verwöhnt.

Bei unserem Aufstieg begegnen uns außerdem einige Tiere, manche kleine, manche etwas größer (dafür nicht ganz so nah ;-))

Immer wieder machen wir Halt, um neue Aussichten auf die Eismassen zu erhaschen, die sich unter uns ins Tal wälzen.

Als wir weiter hinaufkraxeln klart sich auch der Himmel auf und die Sonne lacht auf uns herab.

Schließlich führt der Pfad über weite Schneefelder immer weiter hinauf. Kurz vor Ende des Trails schlagen wir unser Lager etwas abseits des Weges hinter einer Schneewehe auf.

Zum Abendessen gibt's eine wärmende Suppe und einen wundervollen Sonnenuntergang.

An diesem Abend gehen wir früh schlafen, zum einen, da wir geschafft sind, zum anderen, weil wir morgen früh aufstehen wollen.

5. August 2001

Als ich mich morgens aus dem Schlafsack und dem Zelt zwinge geht gerade die Sonne über dem Harding Icefield auf. Man sieht, dass sich schon wieder Wolken über dem Eis bilden und wir beeilen uns, die letzten Meter zum Endpunkt der Weges zurück zu legen.

Oben angekommen empfängt uns eine atemberaubende Aussicht, die Dimensionen sind ebenfalls umwerfend.

Als wir uns schließlich satt gesehen haben machen wir uns an den Abstieg. Wir haben Glück gehabt und die Morgensonne wolkenfrei genießen können, aber die frühen Wanderer, die uns entgegen kommen, werden nur noch Wolken sehen. Sie schauen uns etwas ärgerlich an, haben sich doch gedacht, die ersten an diesem schönen Tag zu sein ;-))

Nach 1,5 Stunden sind wir wieder am Van und düsen zurück gen Anchorage. Diese Tour zum Harding Icefield war ein toller Abschluss für Daniel, der noch am Abend wieder nach Deutschland zurückfliegen muss. Auf dem Rückweg machen wir nur noch kurz Halt in Portage und gelangen dann am Abend nach Anchorage. Wir setzen Daniel am Flughafen ab und lesen gleichzeitig  meinen Bruder Peter auf, die uns bis Ende September begleiten wird. Wir genießen einen kurzen Abend, denn wir sind alle ziemlich müde. Gleich als erste Outdoor-Tat für Peter biwaken wir zu viert am Fuße des Flattop Mountains und  träumen erwartungsvoll von den Touren die da noch kommen mögen ;-))

 

 

Home - Alte HomepageHome - www.thomas-prade.de