6. August 2001

Nach Peters ersten Nacht in Alaska, die wir am Fuße des Flattop Mountain, dem Hausberg von Anchorage, verbracht haben fahren wir erstmal in die Stadt und füllen unsere Lebensmittelvorräte auf. Für heute ist außer Fahren nicht viel angesagt. Peter soll sich schließlich akklimatisieren, bevor wir uns auf eine Tour machen. Viel Zeit bleibt ihm allerdings nicht, wir wollen gleich richtig einsteigen. Für die nächsten Tage haben wir einige Mountainbike-Touren angesetzt. Für die erste fahren wir wieder nach Süden, wo wir nochmals in Portage halten. Am Gletschersee machen wir eine schöne Pause in der Sonne und schauen den großen, vom Gletscher gekalbten Eisbrocken zu, wie sie schmelzen.

Am Nachmittag treffen wir auf dem Granite Creek Campground ein, wo wir gemütlich unser Lager aufschlagen. Um uns herum sind hohe Bergketten und das Panorama ist einfach herrlich.

In strahlendem Sonnenschein räumen wir den Van auf und legen alles für unsere Radtour am nächsten Tag zurecht. Die Räder werden inspiziert und geölt, dann gibt's noch ein sehr erfrischendes Bad im eiskalten Gebirgsbach, der direkt an unserem Platz vorbeifließt und unser Bier zuverlässig kühlt. Wir alle spannen etwas aus und schreiben Brief, lesen oder erkunden ein wenig die Gegend. Am Abend gibt's was leckeres zu Essen und einige Bierchen....

7. August 2001

Nach einem kurzen Frühstück brechen wir am Morgen mit unseren Rädern auf. Nur wenige hundert Meter am Highway entlang (auf einem Radweg !!) gelangen wir auf einen Parkplatz und damit den Ausgangspunkt für einen Mountainbike Trail über den Johnston Pass.

Der Weg stellt sich schnell als netter Singletrail heraus, nur ab und zu weitet er sich etwas auf. In den nächsten Stunden führt er uns vorbei and Seen, über und durch Gebirgsbäche und durch eine im allgemeinen fantastische Landschaft.

An vielen Stellen ist der Weg beinahe zugewachsen und wir müssen uns durch hohe Gräser und Stauden kämpfen. Manchmal, wenn es gerade mal im besonders rasant bergab geht und man sich plötzlich mitten im Grün befindet, betet man, dass da auf dem Weg kein Schlagloch oder Felsbrocken sein mag, was fatale folgen hätte. Aber, wer bremst verliert ;-)) Etwa auf der Hälfte der Strecke machen wir an einem schönen See unsere Mittagspause und müssen uns hier der kleinen aber gemeinen Fliegen erwehren, die es hier zuhauf hat.

Frisch gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg und als wir eine Stunde später wieder mal einen Gebirgsbach überqueren, meint Simon, er hätte was gesehen. Und tatsächlich, im Bach tummeln sich große Mengen der so genannten Sockeye Lachse, die zur Laichzeit knallig rot gefärbt sind. Die Fische, die wir hier sehen, haben ihre Wanderung schon hinter sich und laichen eben genau hier. Von den Strapazen des Flußaufwärtsschwimmens erschöpft kann man sie ohne große Hast aus dem Wasser ziehen....

Leider - wie uns ein kundiger Alaskaner verrät, der zufällig vorbeikommt - sind die Fische damit auch nicht mehr schmackhaft und so setzen nehmen wir uns keinen zum Abendessen mit ;-)) Wir strampeln weiter und nach 6,5 Stunden und ca. 41 km gelangen wir zurück auf den Highway. Ich trampe zurück und hole den Van und am späten Nachmittag sind wir zurück und froh, dass unsere Zelte schon stehen.

8. August 2001

Auch heute steht wieder ein Ausflug mit den Mountainbikes an, diesmal wollen wir eine 50 km - Runde an den Russian Lakes abfahren.

Das Wetter heute ist erstaunlich gut, mit reichlich sonnigen Abschnitten. Los geht's am Morgen in der Nähe der Hentons Lodge. Auch hier verschmälert sich der Wanderweg schnell zu einem Singletrail.

Wir fahren meist an einem Berghang, so dass wir oft einen wundervollen Ausblick auf das unter uns liegenden Tal und die Berge ringsum haben.

 Neben zugewucherten Stellen haben wir heute noch zusätzlich mit etwas größeren Steigerungen zu kämpfen. Außerdem ist der Weg auch ab und zu ein Bachbett, was aber für nur noch mehr Fahrspaß sorgt.

Gegen 12 Uhr machen wir an einer Hütte Halt und legen unsere wohlverdiente Mittagspause ein.

Am Nachmittag erreichen wir nach ca. 40 km eine Schotterpiste, wo Sabine recht schnell eine Mitfahrgelegenheit findet. Während sie den Van holt wollen wir ein wenig weiter fahren, schließlich soll uns nicht kalt werden ;-)) Etwa eine Stunde später kommt Sabine und holt uns - reichlich abgekämpft - ab. Unser Ziel für den Abend ist wieder Anchorage, aber zuvor nehmen wir ein erfrischendes Bad im Kenai Lake. Danach fahren wir los und machen erst wieder am Prince-William-Sound eine Pause fürs Abendbrot. Wieder zurück in Anchorage steuern wir wieder den Platz am Flattop Mountain an, den wir inzwischen als ideales Nachtlager für Anchorage auserkoren haben.

9. August 2001

Nachdem wir E-Mails, Telefonate und Einkauf erledigt haben fahren wir zum Eklutna Lake, wo wir eine weitere Radtour unternehmen wollen - diesmal mit Übernachtung in der Pampa.

Nachdem alles gepackt ist starten wir auf dem sehr einfachen Weg (Schotterpiste für die meiste Zeit) entlang des Sees.

Nach ca. 20 km kommen wir zu dem Platz den wir für unsere Nachtlager ausgewählt haben. Wir meiden die vorgesehenen Zeltplätze im Wald und bauen unsere Zelt im Flussbett auf.

Der Rundumblick ist herrlich. Umgeben von hohen Bergmassiven gelangt die Sonne nicht mehr zu uns herab, aber zumindest haben wir einen schönen Blick auf den nahen Eklutna Gletscher.  Nachdem das Lager steht machen wir uns noch mal auf den Weg, um ganz nah an den Gletscher heran zu kommen.

Leider ist der Weg nach wenigen Kilometern zu Ende. Von hier aus führt nur noch ein Kraxelpfad weiter und auch auf diesem ist für uns nach wenigen hundert Metern Schluss. Von hier ab müsste man den Gletscherabfluss queren und mit Bergschuhen und ein wenig mehr Ausrüstung weiter. Wir sind nicht gerade versessen darauf, den Gletscher näher zu erkunden, zum einen sind wir alle ziemlich hungrig und zum anderen werden wir mit Sicherheit noch viele andere Gletscher sehen. So gibt es wenig später ein leckeres Geschnetzeltes mit Gemüse. Nach dem Essen sitzen wir noch länger am Feuer und quatschen bis tief in die Nacht.

10. August 2001

Der nächste Morgen bring wieder haufenweise Sonnenschein und in kurzer Zeit sind wir wieder am Van angelangt. Wir nehmen noch schnell ein Bad im See und Verlassen dann Anchorage auf unserem Weg gen Norden. In Walisa stoppen wir nochmals kurz für E-Mails, Post, frischen Apfelkuchen am Wegesrand und Fahrradersatzteile und fahren dann durch bis zum Denali State Park. Im nervigen Nieselregen stellen wir unser Zelt auf, die Stimmung droht auf einen Tiefpunkt zu sinken. Unser Plan, in diesem Park zwei bis drei Tage auf der Kesugi Ridge zu laufen und von dort den 6193 m hohen Mt. McKinley zu bewundern, ist zunächst vereitelt.

Dass es an diesem Abend nicht zu gruppenundynamischen Unmutsbekundungen kommt, liegt vermutlich nur an der Pizza, die wir uns in Simons Outdoorofen backen, sogar mit Cheezy Crust, dem käsegefüllten Rollrand ;-))

 

 

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