24. August 2001

Für heute steht hauptsächlich Autofahren auf dem Programm. Wir verlassen Tok am Morgen und überqueren nach 160 km die Grenze nach Kanada ohne weitere Probleme. Das Fax, das bestätigen soll, dass Bine bereits einen Flug gebucht und bezahlt hat, und das wir heute morgen noch schnell organisiert haben, interessiert keinen und überhaupt werden kaum Fragen gestellt.

Wir folgen diesmal dem anderen der zwei Highways, die Alaska auf dem Landweg mit Kanada verbinden und auch dieser besteht die meiste Zeit aus einer Schotterpiste.

Wir folgen ihm bis zum Longdon Campinglatz, der wunderschön am Kluane Lake gelegen ist. Am Eingang begrüßt uns ein Schild, das besonders Zelt-Camper vor der Gefahr der Beeren suchenden Bären warnt.

Wir lassen uns nicht gleich abschrecken und auch der Platzwärter, der später vorbeikommt, um die Gebühren zu kassieren, gibt Entwarnung. Die Beeren seien mittlerweile bereits zum Großteil nicht mehr existent und würden so auch keine Bären mehr anlocken.

An einem schattigen Platz stellen wir unsere Zelte auf und widmen uns den Nachmittag über damit, was leckeres zum Essen (Kartoffelpuffer mit Apfelmus und Schokohaferflockenkekse als Nachtisch) zuzubereiten.

Wir sitzen noch lange am Feuer und singen Lieder von den Ärzten, quatschen und trinken ein Bierchen oder zwei ;-))

25. August 2001

Wir verschlafen heute etwas und kommen erst gegen 10:30 Uhr los. Unser Ziel für die nächsten drei Tage ist das Kluane National Park Reserve, ein 22.015 km2 großes Gebiet, das viele der längsten Gletscher der Welt umfasst. Unser Ziel ist es den Kaskawulsch Gletscher zu erreichen, der 65 km lang und bis zu 6 km breit ist! Um dorthin zu gelangen müssen wir zunächst eine 23km-Tagesetappe bewältigen, die uns zu einem Basiscamp führt. Von dort aus kann man am zweiten Tag den 1300m hohen Observation Mountain besteigen, von dessen Gipfel man eine sagenhafte Aussicht auf den gigantischen Gletscher hat.

Im Besucherzentrum (auf der Karte als "?" markiert) besorgen wir uns die Genehmigung, vier Bärenboxen für unser Essen und eine topographische Karte des Gebiets. Gegen 12 Uhr gelangen wir mit dem Van zum Ausgangspunkt für unsere Tour. Hier packen wir unsere Ausrüstung und starten wenig später auf den langen Marsch.

Zunächst folgen wir einer Schotterstraße, die sich bald zu einem schmalen Pfad verengt. Nach ca. 1 km müssen wir bereits den Sheep Creek überqueren, indem wir über Baumstämme balancieren. Während der weiteren Kilometer müssen wir immer wieder durch feuchte bis überschwemmte Gebiete laufen, oft fehlen nur Zentimeter, die verhindern, dass uns Wasser von oben in die Wanderschuhe läuft. Nach insgesamt ca. 6 km gelangen wir an den Bullion Creek, der bereits ein größeres Hindernis darstellt. Es bleibt uns nicht anderes übrig, die eiskalten, hüfttiefen Fluten, die uns reißend um die Beine strömt, zu durchwaten. Wir haben alle Sandalen mit genommen, die das Laufen auf den großen Felsbrocken im Fluss erleichtern.

Bei der Durchquerung ist es sehr wichtig, die Hüftgurte der Rucksäcke zu lösen, um in dem Falle, wenn einem die Beine von der Strömung weggerissen werden, leicht vom Rucksack loskommt und nicht von ihm unter Wasser gezogen wird. Glücklicherweise passiert nichts außer ein paar nassen Hosen und eiskalten Füssen, die aber schnell wieder warm werden ;-))

Die Landschaft wechselt hier so schnell, dass man bald in einem ausgesprochenen Feuchtgebiet watet, bald durch wüstenähnliche tapert ;-)) Wir folgen weiter dem breiten Lauf des Slims Rivers, der sich vom Gletscher bis zum Kluane Lake windet. Zur Mittagszeit gelangen wir zum Sandy Hill, wo wir unsere Vesperpause einlegen.

Von dem Hügel aus hat man eine fantastische Aussicht auf die Landschaft, die alles umfasst, Farben von grün über blaugrau zu rot.

Der Gletscherabfluss  ist in viele kleinere Ströme aufgespalten, die sich wie ein Zopf durch das Tal winden.

Es ist schließlich bereits später Nachmittag, als wir ziemlich müde am Basislager ankommen.

 

Rasch sind die Zelte aufgebaut und Essen gekocht. Dann sitzen wir noch ein Weilchen am Lagerfeuer bevor wir in den Schlafsäcken verschwinden.

26. August 2001

In der Nacht und den frühen Morgenstunden regnet es ausgiebig, aber als wir aufstehen hört es gerade auf. Unser Frühstück wird ein wenig länger als geplant, das Wetter reizt uns nicht gerade zu einem raschen Aufbruch.  Aber gegen 11:30 klart es dann plötzlich auf und die Sonne lacht auf uns herab. So gehen wir es doch an, den nahen 1300m hohen Observation Mountain zu besteigen. Hierzu folgen wir dem Slims River und überqueren dann den Columbia Lake in einer ähnlichen Aktion wie beim Bullion Creek zuvor.

Von hier ab laufen wir ins Tal des Canada Creeks. Nach wenigen Kilometern zweigt der Pfad vom sachte ansteigenden Flussbett ab und führt extrem steil am dürftig bewachsenen Hang nach oben. In nur 2-3 km steigen wir 1100 Höhenmeter, die meisten davon während der ersten Stunde. Jeder Höhenmeter bringt aber auch ein plus an Aussicht mit sich, so dass wir bald eine atemberaubende Sicht auf das Tal des Canada Creeks haben.

Gegen 16:30 Uhr machen wir oberhalb eines Sattels unsere Mittagspause mit Blick auf den Gletscher. Auch wenn man hier bereits den Gletscher sehen kann ist unser eigentliches Ziel der Gipfel des Observation Mountains. So steigen wir weitere 1,5 Stunden auf, bis wir urplötzlich zu einem Felsabbruch kommen, dem Gipfel.

Unter uns zieht der Kaskawulsh Gletscher auf mächtigen Bahnen dahin, wir genießen die Aussicht (und einen Gipfelmuffin ;-))

Als wir uns endlich losreißen heißt es, sich ein wenig zu sputen, es ist schon spät geworden. Aber die Strecke der letzten 1,5 Stunden legen wir auf Schneefeldern in nur 20 Minuten zurück und haben dabei noch einen Riesenspaß ;-))

Auf dem Rückweg zum Lager sind wir recht schnell unterwegs und bereits gegen 21 Uhr sitzen wir wieder ums Lagerfeuer.

27. August 2001

Die Nacht bringt wieder eine Menge Regen und als wir heute aufstehen und einen Blick auf die Berge ringsum werfen sind wir überrascht. Eine dicke Schicht Neuschnee ziert die Gipfel, auch den des Observation Mountains.

Wir sind heute bereits gegen 8 Uhr aufgestanden, um bis 17 Uhr zurück am Park Office zu sein. Es ist noch recht bewölkt als wir loslaufen, aber es klart rasch auf und die Sonne kommt hervor.

Auf dem Weg entdecken wir wenig später frische Spuren eines Grizzlies, aber zu Gesicht bekommen wir ihn nicht.

Den Bullion Creek überqueren wir diesmal etwas weiter flussabwärts, wo wir zwar mehrere Arme durchwaten müssen, die dafür aber nur noch 30-40 cm tief sind. Gegen 15:30 Uhr sind wir zurück am Wagen, müde aber glücklich.

Wir melden uns bei den Parkwächtern zurück (damit keine Suchmannschaft losgeschickt wird) und werden und düsen dann weiter gen Süden auf dem Alaska Highway.

Wenig später zweige ich zum Kluane Lake hin ab und wir stürzen uns in das kühle Nass, um die Anstrengung der letzten Tage abzuwaschen ;-))

Der Highway erstreckt sich mal wieder durch endlose Wälder, eine Brücke ab und zu ist schon ein echtes Highlight ;-))

Die rot verfärbten Hänge der Berge zeigen uns deutlich, wie nah der Herbst ist. Wir rauschen weiter durch die Landschaft, passieren Haines Junction und Whitehorse, um auf dem Wolf Creek Camground unser Lager aufzuschlagen. Es gibt mal wieder leckeres Gemüse mit Geschnetzeltem und frischen Apfelkuchen zum Nachtisch. Wir sitzen noch einige Zeit am Lagerfeuer, bis schließlich einer nach dem anderen müde im Zelt verschwindet. Ein paar aufregende Tage liegen hinter uns, die uns tief beeindruckt und auch Lust auf mehr gemacht haben ;-))

 

 

Home - Alte HomepageHome - www.thomas-prade.de