25. September 2001

Als wir an diesem Morgen aufstehen scheint die Sonne auf uns herab. Ich nehme eine warme (!) Dusche und dann gibt's ein sehr kurzes Frühstück. Wir wollen bis Port Alberny fahren, um dort so ein richtiges Schlemmerfrühstück einzufahren. Wir brauchen 3 Stunden, um von Bamfield über Holzfällerpisten dorthin zu gelangen, entsprechend ausgehungert sind wir ;-)) Als wir uns danach wieder auf den Weg machen wollen und gerade noch mal volltanken, bemerken wir, dass einer der Reifen des Vans Luft verliert, was wohl dem großen Nagel zuzuschreiben ist, der darin steckt. Für insgesamt $47 lassen wir diesen Reifen flicken und einen weiteren, dessen Struktur aufgegeben hat und nun eine gefährliche Beule bildet, austauschen. Keine halbe Stunde später sind wir zurück auf der Straße nach Parksville, wo wir unsere Vorräte auffrischen und E-Mails abrufen.

Am Nachmittag beziehen wir unser Lager auf dem örtlichen Campingplatz. Das Wetter hat sich mal wieder verschlechtert und so verbringen wir den Rest des Tages im Nieselregen vor unserem Van. Zumindest haben wir sehr lecker eingekauft und gönnen uns nach 6 Tagen Nudeln mit Tütensuppensoße endlich mal wieder etwas, das den Gaumen kitzelt ;-)) Wir haben zwar ein Lagerfeuer entfacht, aber so richtig ist keinem von uns danach, im Regen herum zu stehen. So verschwinden wir bald in den Zelten und schreiben Brief oder Tagebuch...

26. September 2001

Auch dieser Morgen ist mehr oder weniger verregnet und so brechen wir schleunigst unsere Zelte ab und fahren weiter nach Nanaimo. Wenig später geht von hier aus unsere Fähre, die uns zur Horseshoe Bay nördlich von Vancouver bringt. Wieder in der Stadt hole ich meine Filme ab und dann geht's mal wieder zu Elisabeth. Den verbleibenden Nachmittag verbringen wir mit Fotos durchsehen, Peter und Simon packen schon mal ihren Krempel für ihren Rückflug am nächsten Tag. Zumindest die Sonne lacht uns mal wieder und so genießen wir einige Stunden ohne Fahrerei, dafür mit Aufräumen des Vans. Am Abend sitzen wir mit Elisabeth zusammen und erzählen noch einige Geschichten der letzten Tage bevor wir schließlich müde in die Schlafsäcke fallen.

27. September 2001

Früh am Morgen setzen Sabine und ich zuerst Peter und später auch Simon am Flughafen ab. Am Nachmittag düsen wir zum Campus der Simon Fraser University, wo wir wieder mal unsere E-Mails abrufen. Später sind wir mit Rob und Susanne verabredet, wo wir den Abend und die Nacht verbringen. Bei Wein und Trauben, Käse und Baguette haben wir einen lustigen Abend...

28. September 2001

Nach dem Frühstück brechen Sabine und ich auf und fahren gen Süden. Der gefürchtete Grenzübergang wird zum Kinderspiel und so sind wir am frühen Nachmittag in Seattle, wo wir natürlich dem REI einen Besuch abstatten müssen ;-)) Etwas später sind bereits wieder auf der I5 und cruisen im strahlenden Sonnenschein Richtung Mt. Rainier. Der Bergriese ist schon zig Kilometer zu sehen, zuerst als weißes Hügelchen, später ragt er immer imposanter gegen den blauen Himmel.

Etwas später verlassen wir den Highway und nehmen eine kleine Straße, die uns durch eine bezaubernde Landschaft immer näher zum Mt. Rainier.

Bald schon sind wir wieder auf Forststrassen unterwegs. Schließlich kommen wir kurz vor Sonnenuntergang zum Parkplatz, von dem aus ein Pfad auf den High Rock führt. Unser Ziel ist die Schutzhütte auf dem nackten Felsen.

Leider sind wir etwas spät und die Sonne geht unter bevor wir oben angekommen sind. Dennoch, bereits von unserem Standpunkt aus können wir den gegenüber liegenden majestätischen Mt. Rainier bewundern, der in den letzten Sonnenstrahlen golden leuchtet.

Als wir nach nur 45 Minuten oben ankommen stellen wir zu unserer Überraschung fest, dass die Hütte unverschlossen und noch dazu gemütlich eingerichtet ist. Im Schein der Kerzenlaterne koche ich ein Süppchen zum Aufwärmen - hier oben ist es erstaunlich frisch.

Wir schwatzen noch eine Weile, dann legen wir uns aufs Ohr.

29. September 2001

Rechtzeitig zum Sonnenaufgang sind wir wach und genießen das Naturspektakel. Außer Mt. Rainier sehen wir am noch wolkenfreien Horizont auch die Gipfel von Mt. Hood und Mt. St. Helens, zu dem wir heute noch fahren wollen.

Bei einer Tasse heißer Schokolade und Nutella-Bagels lassen wir den Morgen ruhig angehen. Leider ziehen alsbald Wolken in das Sichtfeld auf Mt. Rainier. Wir machen uns schließlich wieder auf den Rückweg zum Wagen. In 20 Minuten haben wir diesen erreicht und verstauen unsere Rucksäcke. Es geht weiter durch eine wundervolle Berglandschaft, durch grüne Täler und vorbei an blauen Seen. Das ändert sich schlagartig, als wir den Abzweig zum Mt. St. Helens nehmen. Plötzlich fahren wir durch eine Landschaft, die auch noch 20 Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans, von den Auswirkungen dessen zerstörerischer Kraft geprägt ist.

Die Schneise, die die Druckwelle damals geschlagen hat, ist noch immer allgegenwärtig. Da das Gebiet um den Berg zum gleichnamigen Nationalpark gehört werden auch keine Aufforstungsmaßnahmen erwogen, die Natur soll sich selbst regenerieren, aber wie lange das dauern kann ist erschreckend.

Wir fahren bis zum Ende der Straße und genießen den Ausblick auf den Spirit Lake, auf dem noch immer die Baumstämme von vor 20 Jahren treiben - mal dicht gedrängt am nördlich Ende des See, mal am südlichen, je nach Windrichtung. Hier verbringen wir einen geruhsamen Nachmittag und bleiben bis zum Sonnenunterhang.

Vor atemberaubender Kulisse Kochen wir uns mal wieder ein Süppchen zum aufwärmen. Als es dunkel wird laufen wir zurück zum Van und räumen allen Krempel nach vorne. Jetzt kann man sich darin bequem ausstrecken und so verbringen wir die Nacht einfach auf dem menschenleeren Parkplatz.

30. September 2001

Wir stehen zum Sonnenaufgang auf und können erneut nur genießen..

Schließlich brechen wir auf und umrunden den Berg mit dem Wagen. Unser Vorhaben, die Rückseite des Kraters zu besteigen, müssen wir leider sausen lassen, da das sonnig-warme Wetter entsprechend viele mit der selben Idee hierher gerufen hat. Leider werden nur 50 Genehmigungen pro Tag ausgegeben und die für heute waren schon am Abend zuvor vergriffen. Stattdessen gehen wir in einem nahen See baden und fahren dann weiter gen Süden. Nach 3 Stunden gelangen wir zum Cannonbeach an der Küste Oregons. Ein fantastischer Blick empfängt uns. Der oft abgelichtet Strand mit seinen monumentalen Felsklötzen im weichen Sand fasziniert auch uns. Als auch ich den Anblick festhalten möchte, muss ich feststellen, dass ich die Kamera wohl bei unserem Bad im See vergessen haben muss. Da unsere Badestelle sehr menschenverlassen war, hoffe ich darauf, sie dort wieder zu finden und fahre zurück. Sabine bleibt mit Strandausrüstung vor Ort und genießt das Strandleben. Als ich nach 6 Stunden wieder zurück bin ist es dummerweise dunkel und die Kamera habe ich auch nicht wieder gefunden :-(( Als wäre das nicht genug, kann ich Bine erst nach einer weiteren Stunde im nahen Ort wieder finden. Ziemlich erledigt legen wir uns mit unseren Biwaksäcken an den Strand. Wir scheinen heute vom Pech verfolgt und so vertreibt uns ein Polizist etwa eine Stunde später wieder von dort. So verlassen wir den Ort und fahren weiter entlang der Küste. Auf einem Parkplatz am Highway wiederholen wir die Umpackaktion des Vortages und legen uns im Van schlafen.

1. Oktober 2001

Den gesamten Vormittag fahren wir weiter entlang des Küstenhighways und folgen ihm durch eine wunderschöne Landschaft. Am Nachmittag gelangen wir schließlich nach Corvallis, wo wir uns bei Cornelius, einem Studienkollegen Simons, einquartieren können. Wir machen uns direkt daran, den Van zum Verkauf vorzubereiten. Nach einer Wäsche und intensiven Innenraumrenovierung sieht er aus wie neu und wir können uns überhaupt nicht vorstellen, unser Zuhause der letzten drei Monate einfach so zu verkaufen.

Am Abend gibt es im Garten hinter Cornelius WG einen Flohmarkt, bei dem wir unsere überflüssigen Ausrüstungsgegenstände an Cornelius und seine Mitbewohner verschenken. Ziemlich müde legen wir uns in unseren Schlafsäcken auf die Veranda. Hier in Corvallis ist tatsächlich noch Sommer...

2. Oktober 2001

Heute ziehen wir los, um den Van zu verscherbeln. Bei einem Kilometerstand von ca. 388.000 km macht uns natürlich kaum eine Händler ein Angebot. Um genau zu sein, die ersten 13 sind völlig uninteressiert und so verschachern wir den (zugebenenermaßen völlig ausgelutschten) Wagen dem 14. Händler, der ihn doch tatsächlich kaufen will. Er bietet $800 und weist auf das Klopfen des Motors hin. Ich stelle mich dumm und handele ihn auf $925 und eine Fahrt zum Busterminal hoch. Froh, die Karre doch noch losgeworden zu sein, fahren wir mit dem Bus zurück nach Corvallis.

3. Oktober 2001

Nach letzten Erledigungen lassen wir uns vom einzigen Taxi der Gegend, das auch noch viel zu klein für uns und unser Gepäck ist,  zum Greyhound Busterminal bringen und besorgen uns Tickets. Plötzlich erzählt uns der Typ am Schalter, dass wir für Sabine Fahrradkarton einen Zuschlag von $15 zu zahlen hätten und verrät uns im gleichen Augenblick, dass, wenn kein Fahrrad darin wäre, wir auch nicht zahlen müssten. Als wir zu den anderen Gepäckstücken kommen ist plötzlich ganz Schluss, es kann nicht mit Greyhound transportiert werden, weil es zu schwer ist. Auch mein Angebot, dass wir unser Gepäck selbst and Bord hieven und so die empfindlichen Rücken des Fahrers schonen, zieht leider nicht. Wir lassen uns das Geld für die Tickets zurückgeben und fahren mit dem Taxi zum Campus der hiesigen Uni. Von hier werden wir schließlich von einem Airporter abgeholt. Spät in der Nacht gelangen wir zum Flughafen in Portland. Wir verziehen uns mit unserem Gepäck in eine Ecke und versuchen trotz penetranter Lautsprecherdurchsagen etwas Schlaf abzufassen.

4. Oktober 2001

Um 4 Uhr in der Frühe öffnen sich schließlich die Schalter für die Gepäckabfertigung. Wir müssen dann doch noch etwas Gewicht umlagern, aber alles geht gut. Wir stehen gute 20 Minuten am Schalter und hinter uns wächst die Schlange ins endlose. Schließlich bekommen wir unseren Gepäckaufkleber und müssen nur noch durch die Gepäckdurchleuchtung. Als letzte Hürde müssen wir die Sicherheitskontrolle passieren, wo Sabine noch einiges aus ihrem Handgepäck (Schnellspanner fürs Rad etc. ;-)) herausnehmen muss und Glück hat, dass das aufgegebene Gepäck noch erreichbar ist. Gegen 6 Uhr können wir dann tatsächlich die Maschine nach Newark besteigen. Im Anflug auf New York können wir dann noch kurz sehen, wie groß die Katastrophe auf Manhattan tatsächlich ist. Auch auf dem Abflug nach Frankfurt sehen wir den Trümmerhaufen, diesmal in helles Scheinwerferlicht getaucht. Als wir nach einiger Zeit Lunenburg und Halifax in Nova Scotia überfliegen lasse ich die vergangenen 14 Monate noch einmal Revue passieren und denke mit etwas Wehmut an all die Abenteuer und Ausflüge in die Wildnis Kanadas, die Städtetouren und vor allem die Leute, die ich hier kennen gelernt habe und jetzt zu meinen Freunden zählen kann.....

5. Oktober 2001

Am frühen Morgen überfliegen wir die Nordküste Frankreichs und schließlich auch noch Paris bei absolut wolkenfreier Sicht. Wenig später, gegen 8:30 Uhr, landen wir in Frankfurt. Bald sind Zoll und Passkontrolle erledigt, Deutschland hat uns wieder. Mit all seinen Macken, die man jetzt so richtig erst bemerkt. Wie viele kleine Unterschiede es gibt, merkt man schon, wenn man für die Passkontrolle ansteht und es Leute gibt, die drängeln und einem so dicht auf die Pelle rücken, dass es schon unangenehm ist.

Eine sehr lange Reise geht zu Ende und bereits in den letzten Wochen und Tagen habe ich darauf gefiebert, wieder zurück zu kehren und endlich wieder deutsches Brot und guten Käse, leckeren Joghurt mit 3,5% Fett zu essen ;-)) Vor allem aber will ich endlich meine Familie und Freunde wieder sehen. Und dann ist da noch jemand, auf den ich mich besonders freue ;-))

18. März 2002

Das Jahr in Kanada war ein Jahr voller Ereignisse, die mein Leben mehr geprägt haben, als mir das während dieser Zeit bewusst geworden wäre. Aber die Freundschaften und Eindrücke, die ich von dort mitnehmen konnte, beeinflussen mich noch heute und werden es auch in Zukunft tun. Ich kann nur jedem empfehlen, eine Gelegenheit zu solch einer Erfahrung nicht ungenutzt verfallen zu lassen. Mit diesem Bericht geht auch meine nachträgliche Arbeit zu Ende, mit der ich versucht habe, mir selbst, aber auch allen Interessierten einen Teil der Erfahrungen zu verdeutlichen, nahe zu bringen. Das soll allerdings nicht heißen, dass es hier vorbei ist mit aktuellen Reiseberichten. Ich werde auch in Zukunft versuchen, über meine Reiseziel zu informieren - sowohl mit Bildern als auch mit Texten.

Das nächste Projekt steht bereits in den Startlöchern. Ich werde mich bemühen, die Homepage über die Zeit aktuell zu halten und in den kommenden Jahren um weitere Trips in alle Welt zu ergänzen. Als nächstes werden Südafrika und Namibia zum Gegenstand meiner Berichte, die Reise im Januar/Februar 2002 hat auf jedenfalls genug Fotomaterial mit sich gebracht ;-))

Ich hoffe, dass die Leser meiner Seiten, diese auch in Zukunft besuchen werden und freue mich auf Anregungen und Kommentare im Gästebuch.

Euer Thomas

 

 

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