Samstag

Wir treffen uns um 8:30 früh am Physical Activity Center. Vor uns liegt eine Paddel- und Wandertour, organisiert von Koorus, einem der Outers Club Executives (klingt schlimmer als es ist, kann aber manchmal genau das bedeuten). Wie immer in der großen Gruppe kommen wir nicht los, ein Mietwagen kann erst später abgeholt werden. In der Zwischenzeit laden wir die Kanus auf und das Gepäck irgendwie in die Autos. Etwa 30 Leute beteiligen sich an der Fahrt und sogar Sabine schafft es gerade noch bevor wir abfahren. Um 10:00 Uhr kann es dann endlich losgehen, ich sitze mit Elsa und Carol (beide aus Frankreich) in Koorus' Jeep, zwei Kanus auf dem Dach und ein Furcht einflößender Fahrer am Steuer. Wir überleben die Fahrt und kommen bei leichtem Schneegestöber in Honey Habour, unserem Startpunkt an.

Nach einer Stunden mit Brotzeit und Regen sind wir abfahrtbereit.

Sobald wir auf dem Wasser sind hört es auf zu regnen, aber die Sonne hält sich weiterhin bedeckt.

Unser Weg führt uns über von Motorbooten befahrenen Wasserstraßen entlang von Wochenendhäuschen. Der Bootsverkehr (hier kommt sogar eine Boots-Müllabfuhr vorbei) ist etwas nervig, aber von den großen Booten erzeugten Wellen bringen einen gewissen Spaß. Nach nur einer Stunde langsamen Paddelns erreichen wir Honeymoon, unseren Campingplatz für die nächsten zwei Nächte.

Er liegt ganz im Norden der Hauptinsel, Beausoleil Island. Wir sind in vier kleinere Gruppen mit autarker Verpflegung eingeteilt, alles generalstabsmäßig von Koorus organisiert und leider auch relativ strikt durchgesetzt und überwacht (locker bleiben, Koorus ;-)). Mit in meiner Gruppe sind noch Peter (auch Outers Club Executive und chaotisch), Deron, Cornelia, Tanya (noch ein Executive), Sylvia, und Alex. Wir bauen als erstes die Zelte auf den dafür vorgesehenen mit Holz beplankten Flächen auf, da wir die Heringe nicht benutzen können entwickeln sich abenteuerliche Seilkonstruktionen.

Im Anschluss gibt es Spaghetti mit Sauce Bolognese und noch einige Cookies. Peter bricht mit einem Kanu zu einer Erkundungstour in die Bucht auf und kommt ca. 5 Meter weit. Dann erfasst der Wind und die Wellen das Boot und kentern es. So kalt es auch für Peter ist, er kann immer noch lachen, genau wie alle anderen die am Ufer stehen.

Die Nacht bricht schnell herein und wir nutzen den Mondschein für einen Erkundungsspaziergang über die Felsen. Die Silhouetten der vorgelagerten Inseln werden von Licht einer ungewöhnlichen Farbe umrandet, ein herrliches Schauspiel.

Nachdem wir uns noch mal mit Tee aufgewärmt haben und mit den anderen Gruppen zusammen ums Lagerfeuer gesessen und Marshmallows geröstet haben legen wir uns schlafen. Sabine (mittlerweile auch mit Biwaksack ausgestattet) und ich schlafen auf den Felsen mit Blick über unsere Bucht.

Sonntag

Die Nacht ist frostig und als ich am Morgen aufwache hat sich auf meiner Tasche neben mir eine Eisschicht gebildet. Es kostet etwas Überwindung aus dem warmen Schlafsack zu kriechen und sich bei Minusgraden anzuziehen, aber zumindest die Sonne lockt zu einem schönen Sonnenaufgang.

Die andern schlafen noch alle, ein guter Zeitpunkt um sich um heißes Wasser zu kümmern. Als die anderen aufwachen gibt es dann erstmal eine heiße Schokolade und Müslibuns (kleine Brötchen aus Müsli-Nuß-Mix-Teig) mit Marmelade. Frühstück mit Blick über die Sonnen geflutete Bucht, einfach traumhaft.

Der vor uns liegende Tag steht zu unserer freien Verfügung und da die anderen nur einen kleinen Spaziergang machen wollen, seilen sich Sylvia und ich ab, um Beausoleil Island zu umrunden. Uns stehen ca. 6 Stunden Fußmarsch bevor. Ich freue mich darauf, denn, obwohl die Sonne scheint, ist es noch reichlich kalt und die letzte Woche hielt nicht besonders viel Schlaf für mich bereit. Wandern ist genau das richtige, wenn man friert!

Nach ca. einer Stunde erreichen wir den Leuchtturm auf der Westseite der Insel. Ein Schild auf dem Trail besagt, dass der weitere Trail aufgrund mangelnder Aufräumungsarbeiten geschlossen ist, aber das stört uns nicht. Aber wirklich, manchmal ist der Trail nicht mehr zu erkennen, man wandert einfach an umgefallenen Bäumen vorbei oder muss diese überklettern.

Als dann gar nichts mehr geht setzen wir unseren Weg am steinigen Strand fort, der parallel zum Trail verläuft. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir einen Campingplatz auf der Westseite, an dem wir eine Snackpause einlegen.

Nach insgesamt drei Stunden erreichen wir die Südspitze der Insel und machen an einem weiteren Campingplatz unsere Mittagspause. Auf der anderen Seite der Bucht kann bereits den Strand von Clearwater Beach sehen, das auf der Landzunge nördlich von Midland liegt.

Wir quatschen eine ganze Zeit lang in der Sonne und raffen uns dann zum Weitermarsch auf, es stehen uns weitere drei Stunden Fußweg bevor. Unterwegs entdecken wir eine große Eule, die über unseren Köpfen auf einem Ast sitzt. Als wir uns nähern fliegt sie mit lautlosen Flügelschlägen davon.

Die Ostseite ist deutlich stärker besucht, hier wurde ein Visitor Centre gebaut, das zu dieser Jahreszeit aber geschlossen ist. Dennoch begegnen uns hier ab und zu Leute, mehr als uns eigentlich lieb ist. Wir bleiben auf dem Trail, der uns an Seen und Auen vorbeiführt.

Am frühen Abend kommen wir nach genau 7 Stunden wieder am Lager an. Bevor es dunkel wird ist gerade noch Zeit, etwas Feuerholz zu sammeln. Mit der Dunkelheit kommt auch die Kälte und so scharren wir uns ums Feuer, essen eine heiße Kartoffel-Nudelsuppe und die restlichen Cookies.

Nach einer heißen Schokolade legen wir uns schlafen, diesmal wählen Sabine und ich die Felsen, die am Morgen dann auch tatsächlich in der Sonne liegen ;-).

Montag - Thanksgiving

Der Morgen ist wieder schweinekalt, aber im Biwaksack lässt es sich durchaus aushalten.

Wir müssen bis 13:00 Uhr wieder an den Autos sein, da dann die gemieteten Kanu abgeholt werden. So machen wir uns früh daran, alles abzubauen und verlassen die Bucht als erste Gruppe.

Der Rückweg ist schnell gemacht, wieder vorbei an den Wochenendcottages.

Wir kommen reichlich früh zurück nach Honey Habour und haben Glück: die Besitzer des einzigen Supermarkts hier sind mal für fünf Minuten vorbei gekommen und öffnen den Laden. Eine Gelegenheit, die wir uns nicht entgehen lassen. Und so haben wir 10 Minuten später ein ausführliches Fressgelage mit haufenweise Cookies zum Nachtisch.

Als die anderen endlich eintrudeln - sie bekommen auch noch ein paar Cookies ab - können wir die Autos wieder beladen und uns auf den Heimweg machen.

Wir stoppen noch einmal kurz in Wasaga Beach und machen eine kleinen Strandspaziergang und einer Runde Hacki-Sack. Hier hat es den Vormittag geschneit, Schneemänner säumen den Straßenrand. Unglaublich das Wetter hier in Kanada. Auf unserer weiteren Heimfahrt sehen wir immer wieder unglaublich verfärbte Bäume, der Indian Summer schreitet weiter gen Süden.

Kurz vor Waterloo machen wir noch einmal Halt uns schauen uns die Elora Quarry an, ein ehemaliger Steinbruch, der jetzt geflutet ist.

Schließlich erreichen wir Waterloo, entladen die Kanus und sortieren die Ausrüstung. Dann ist das lange Wochenende vorbei, wir haben mal wieder eine ganze Menge erlebt. An dieser Stelle noch einmal Dank an Koorus, der die Tour ausgezeichnet organisiert hat. Abgesehen von einigen Unstimmigkeiten am Anfang der Tour hat sich Koorus dann auch etwas entspannt und die Tour hat sich prächtig entwickelt.

 

 

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