Nach unserer Ankunft in Kanada am Flughafen von Toronto mussten wir uns zunächst einmal knapp 3 Stunden durch Immigration und Gepäckabholung schlagen bis wir endlich in den schwülen Nachmittag eintauchen konnten. Noch ziemlich fertig vom Flug, waren wir froh von Marco, einem unserer Vorgänger mit dem Auto abgeholt zu werden. Zwecks Übernachtung in den nächsten Tagen wurden wir auf die Braunschweiger verteilt, die noch in Waterloo weilten. (An dieser Stelle nochmals ein herzliches Danke für den super Service!)

In den folgenden Tagen, in denen wir unseren Jetlag abbauten, waren wir ständig mit unseren Fahrrädern in Waterloo unterwegs, um nach Autos Ausschau zu halten und um uns um Versicherung etc. zu kümmern. Am Freitag Abend - keiner hatte mehr so richtig daran geglaubt, dass es möglich sein könnte in einem fremden Land innerhalb von drei Tagen ein Auto zu kaufen und es zuzulassen - konnten wir mit unserem Chrysler Plymouth Voyager Minivan starten.

Wir nutzen den Samstag noch für letzte wichtige Erledigungen und Einkäufe, am Sonntag kann es dann endlich auf losgehen auf unsere Ostkanada-Tour.

1. Tag - Sonntag

Bei strahlendem Sonnenschein fahren los gen Osten. Wir lassen Toronto direkt hinter uns und machen unsere erste Rast in Port Hope am Lake Ontario. Ein Spaziergang barfuss am Strand lässt uns den Stress der letzten Tage vergessen und versetzt uns endgültig in Urlaubsstimmung.

Wir haben uns vorgenommen, alle Städte und Sehenswürdigkeiten, die im Wochenendradius um Waterloo herum liegen, erst einmal auszulassen und uns gleich den östlicheren Gefilden zuzuwenden. So brechen wir wieder auf, um schließlich auf einem direkt am Lake Ontario gelegenen Campingplatz unsere Zelte aufzuschlagen. Wir genießen das schöne Wetter bei einem Bad im See und schlagen uns die Bäuche mit Pasta voll.

Der Sonnenuntergang und das Lagerfeuer trösten uns über die rasch eingebrochene Kühle hinweg und unsere erste Schlafsacknacht beschert uns einen in Europa kaum zu beobachtbaren Sternenhimmel.

2. Tag - Montag

Den Vormittag verbringen wir faul im heißen Sand der Dünen des nahe gelegenen Sandbanks Provincial Parks.

Wir kommen den ganzen Tag nicht so richtig aus den Socken und so entschließen wir uns am Abend, nach einem leckeren Mahl in irgendeiner Nebenstraße die Nacht zum Tage zu machen.

Um richtig viele Kilometer hinter uns zu lassen fahren wir in Schichten bis zum Morgengrauen. Wir lassen Montreal und Quebec hinter uns und beziehen in der Nähe von Trois-Pistoles einen Campingplatz. Den Tag über verbringen wir wieder faul in der Sonne und mit Strandwanderungen, die Zeitverschiebung immer noch in den Knochen.

Auf im eiskalten Sankt-Lorenz-Strom vorgelagerten Felsen können wir mit bloßem Auge Seehunde beobachten. Das nahe gelegene Trois-Pistoles bietet neben einer mit Edelstahl verkleideten Kirche nicht viel und so erledigen wir ausschließlich unsere Einkäufe, um uns wieder die Sonne legen zu können. Am Abend essen wir Lachsnudeln und trinken kanadischen Weißwein. Dazu bekommen wieder einen unvergesslichen Sonnenuntergang geboten und das Lagerfeuer am Strand mit obligatorischem Marshmallow-Rösten beendet den Tag.

3. Tag - Dienstag

Wir brechen sehr zeitig am Morgen auf, da man bis 12:00 Uhr in dem von uns angesteuerten Park sein muss, um noch Zutritt zu einer Bergtour zu bekommen.

Leider macht uns der Wagen einen Strich durch die Rechnung, nach wenigen Kilometern auf der Straße gibt die Lichtmaschine auf.

Wir haben zwar Glück und können den Wagen schnell reparieren lassen, dennoch schaffen wir es nicht mehr, den Park rechtzeitig zu erreichen. Wir verschieben die Tour auf den nächsten Tag und erkunden die Umgebung des mitten im Hochland gelegenen und nur über eine Schotterpiste erreichbaren Campingplatzes.

Bärensichere Abfallbehälter sorgen für eine gewisse Abenteuerstimmung.

Ein schmaler Pfad führt uns mitten durch ein urwaldähnliches Gebiet, in dem wir nur mühsam vorankommen.

Wieder zurück auf dem Zeltplatz werden wir von Fliegen umschwärmt, die zwar nicht stechen, wohl aber nerven.

4. Tag - Mittwoch

Am nächsten Tag entschließen wir uns aufgrund des anhaltenden Regens auf die Wanderung zu verzichten.

Nachdem wir unseren Wagen komplett ausgeräumt, Sachen getrocknet und geordnet haben wollen wir lieber irgendwo am Strand in der Sonne liegen. So lassen wir den Park hinter uns und fahren auf der Küstenstraße weiter zum Fourillion Nationalpark.

Am Strand erwarten uns hohe Wellen und ein rauer Wind bläst uns um die Ohren. Wir haben uns Steaks und Bier besorgt und vertilgen jetzt alles genüsslich.

5. Tag - Donnerstag

Wir haben am Abend verabredet, uns gemeinsam den Sonnenaufgang am Strand anzusehen und werden nicht enttäuscht. Himbeerrot empfängt uns der neue Morgen.

Nachdem wir unsere Sachen zusammengepackt haben fahren wir nur wenige Kilometer in den Südteil des Parks, um dort an einer Walbeobachtungstour teilzuhaben.

Mit einem überdimensionalen Schlauchboot düsen wir mit etwa 30 anderen Leuten in die Bucht hinaus und haben Glück. Wir können alle Walarten beobachten, die uns zuvor vorgestellt worden waren.

Darunter sind auch Vertreter der größten Walart, dem Blauwal.

Finnwale tauchen vor der rauen Kulisse der Steilküste auf.

Darüber hinaus werden wir zeitweise von Delphinen begleitet und auch Seehunde lassen sich blicken.

Aber auch die schönste Tour geht einmal vorüber und so fahren wir weiter gen Süden. Nach Umrundung der Gaspe-Bucht machen wir in Perce eine Pause.

Hier ist der Küste ein gigantischer Felsblock vorgelagert, der sich imposant gegen den Horizont abhebt. Bei schönstem Sonnenschein bereiten wir Pasta mit Tomatensoße und genießen den Blick auf das sich uns bietende Panorama.

Im Anschluss starten wir unsere zweite Nachtfahrt, die uns bis in den Fundy Nationalpark führt. Wir erreichen in tiefschwarzer Nacht den Parkeingang und warten hier den anbrechenden Morgen ab. Während die anderen im Wagen schlafen wollen, will ich mir die Qual (im Auto schlafen???) nicht noch einmal antun und entschließe mich fürs Biwaken. Und wieder zeige sich der Sternenhimmel unermesslich, abertausende von Sternen bieten eine atemberaubende Kulisse.

6. Tag - Freitag

Als ich am nächsten Morgen aufwache bietet sich mir ein überraschender Anblick: Ich habe – ohne es in der Nacht auch nur erahnen zu können - auf einer Wiese mein Lager aufgeschlagen, die direkt an einem Bilderbuchsee liegt.

Wir fahren zunächst nach Alma um unsere Vorräte aufzufrischen und geben uns dann einem leckeren Frühstück hin. Wir errichten auf dem Point Wolfe Campground unser Lager und trennen uns dann. Während Nina den Tag am Strand genießen will brechen wir zu fünft auf, um einen Hikingtrail zu erkunden.

Unser Trail führt uns an einem ausgewaschenen Flussbett entlang und da das Wetter wieder alles gibt, können wir nicht anders und springen in das kühle Nass. Trotz beträchtlichen Andrangs haben ein eine "Badebucht" für uns alleine, sogar mit eigener Wasserfallmassage. Am Nachmittag kehren wir wieder zu unseren Zelten zurück. Doch bevor wir uns daran machen, etwas für unsere hungrigen Mägen zuzubereiten machen wir noch einen Abstecher zur Bay of Fundy, der Bucht mit der höchsten Tide der Welt. Bei bestimmten Konstellationen (wie Neu- und Vollmond) beträgt die Höhendifferenz zwischen Ebbe und Flut hier 16 Meter und auch jetzt (bei fast Neumond) liegt sie bei ca. 12 Metern. Wir laufen dem Wasser durch die noch völlig trockene Bucht entgegen. Die Flut beginnt gerade und das Wasser strömt mit fast Schrittgeschwindigkeit in die Bucht. Nach dem Essen sitzen wir noch gemütlich am Lagerfeuer und bald überkommt uns die Müdigkeit.

7. Tag - Samstag

Der Blick in die zuvor leere Bucht am nächsten Morgen zeigt, dass das Wasser seinen Weg zurückgefunden hat und nun die gesamte Bucht ausfüllt. Wir haben auf unserer Tour den entferntesten Punkt erreicht und fahren nun am St. Johns River und damit auch entlang der US-amerikanischen Grenze zurück in Richtung Quebec City. Nach etlichen Kilometern schlagen wir erneut unser Zeltlager auf.

Nach einer mehr oder weniger erfolgreichen Tretboottour mit technischem K. O. (von seiten des Tretboots) steht ein weiterer Grillabend an. Neben den Riesensteaks gibt es Salat und Maiskolben, anschließend gegrillte Schokobananen.

8. Tag - Sonntag

Der Morgen beschert uns das Ergebnis eines Waschbärenbesuchs. Unser Abfall ist fein säuberlich auf dem gesamten Platz verteilt, eine Meisterleistung, die von uns nachts vollkommen unbemerkt blieb.

Wir machen an dem 23 Meter tiefen Fall des Flusses einen Pause, doch dies ist wohl nur zur Zeit der Schneeschmelze entsprechend beeindruckend. Dennoch, der Fluss windet sich traumhaft durch das felsige Tal.

Der weitere Weg nach Quebec ist reichlich eintönig, nur ein Ortsname bringt etwas Erheiterung.

Eine Fährfahrt schlagen wir uns aus Kostengründen aus dem Sinn.

So erreichen wir abends Quebec, die Sonne taucht das Chateau Frontenac, ein Hotel das 1894 von der Eisenbahngesellschaft Canadian Pacific Railway erbaut wurde, in ein unwirkliches Licht.

Nach ca. 2 Stunden finden auch den zuvor ausgewählten Campingplatz. Der Platz ist reichlich öde und so brechen wir sofort zu einer Erkundungstour in die Stadt auf. Nach einem leckeren Burger (nicht so ein Pappdeckel) erkunden wir das Gebiet um das Parlament und finden eine Straße mit Cafés und einer abendlichen Betriebsamkeit, wie wir sie in den bisherigen Tagen unserer Tour nicht erlebt haben. Die Atmosphäre erinnert einen an Frankreich und natürlich kommt man hier ohne Französisch auch nicht weit. Nach einem kleinen Bier (7$ => ca. 10,50 DM) laufen wir noch ein wenig herum, um dann endlich sehr müde in die Schlafsäcke zu kriechen.

9. Tag - Montag

Wir brechen ohne Frühstück auf und setzen uns in eines der netten Straßencafés in der Quebecer Innenstadt. Den ganzen Tag erkunden wir die Stadt, sehen das Chateau Frontenac, die Citadelle und einige weitere Sehenswürdigkeiten.

Aber das Herumlaufen und die Hitze machen uns fertig uns so verbringen wir den Abend auf einem Stück Rasen. Dort beobachten wir die Leute die vorübergehen, ein Gitarrenspieler untermalt die gesamte Szenerie. Einfach ausspannen ist die Devise!

10. Tag - Dienstag

Der Weg nach Montreal ist wenig aufregend, und so erreichen wir am Nachmittag den außerhalb de Stadt gelegenen Campground Amerique.

Wir verbringen einigen Stunden im Pool und nachdem wir uns halbwegs regeneriert und etwas gegessen haben brechen wir auf, um die riesige Stadt, die uns schon während unserer ersten Nachtfahrt beeindruckt hatte, genauer zu erkunden. Wir nehmen uns für den Abend das Ausgehviertel vor, das mit vielen Kneipen und Biergärten lockt. Auch die angrenzende Chinatown entgeht nicht unserem Besuch.

11. Tag - Mittwoch

Nina, Cornelia, Thomas und ich nehmen uns den ältesten Stadtteil das Vieux Montreal vor. Wie sich später herausstellt beginnen wir unsere Tour mit dem interessantesten Teil, dem Place des Armes. Hier ist die älteste Bank Kanadas ansässig, die Banque de Montreal. Wir wollen sie uns auch mal von innen ansehen und dringen dabei weit in die Bank ein. Erst nach einiger Zeit macht uns ein Wachmann aufgeregt darauf aufmerksam, dass wir dort eigentlich nichts verloren hätten. Außerdem hätten wir Glück, dass wir den Alarm nicht ausgelöst haben. Aber zu spät, wir haben uns schon genüsslich in dem gediegen ausgestatteten Innenraum umgesehen und natürlich auch Fotos gemacht.

Die Basilique Notre-Dame gehört mit Sicherheit zu einer der schönsten Kirchen und hat sogar mir gefallen, der Kirchen-Angucken nicht so mag.

Wir laufen noch einige Straßen weiter, dann haben wir genug und machen erstmal eine Mittagspause.

Die Hitze lädt nicht gerade zu weiteren Erkundungstouren ein und so beschlossen Cornelia und ich, uns eine Wissenschaftsausstellung anzusehen. Diese ist allerdings eher für Kinder gemacht, aber in den klimatisierten Hallen kann man es aushalten. Am Abend treffen wir uns alle wieder und sitzen noch einige Zeit gemütlich an einem Springbrunnen und strecken die Füße ins kühle Wasser. Montreal beherbergt zur Zeit die Internationalen Filmfestspiele und so herrscht noch bis spät in die Nacht hinein noch einiger Rummel in der Innenstadt.

12. Tag - Donnerstag

Während Lars, Thomas und Simon eine Ausstellung zum Thema Weltraum besuchen, konzentrieren Nina, Cornelia und ich uns auf die Shoppingmalls Montreals. Diese ziehen sich über 30 km unterirdisch durch die gesamte Stadt. Nachdem uns die Lust auf Geldausgeben vergangen ist greifen wir uns auf dem Campus der McGill's Universität etwas zu Essen ab. Die frosh week, also die Einführungswoche für die Studienanfänger läuft auf vollen Touren und wir können nur staunen, wieso die froshs bei der vorherrschenden Hitze diese albernen Spielchen mitmachen. Die meisten sehen auch etwas mitgenommen und lustlos aus und bald können wir den Anblick nicht mehr ertragen.

Wir bummeln noch weiter durch die Stadt und treffen uns dann später wieder, um gemeinsam auf den Mont Royal zu fahren. Wir lassen den Wagen auf halber Höhe stehen und treten den Rest des Weges zu Fuß an. Wir denken uns erst nichts dabei, als wir von einer Polizistin angesprochen werden, die mit ihrem Wagen den Park kontrolliert. Wie sich herausstellt wir eine Person gesucht, die orientierungslos ist. Auf unserem Weg zum Gipfel begegnen uns dann noch fünf oder sechs weitere Polizeiwagen, berittene Polizei und ein Suchhubschrauber...... alles sehr mysteriös. Der Ausblick vom Gipfel bietet dafür ein unvergesslichen Ausblick über das nächtliche (von Suchscheinwerfern) erhellte Montreal.

13. Tag - Freitag

Auf unserer Rückfahrt übernachten wir noch einmal auf dem Campingplatz unserer ersten Nacht der Tour. Diesmal ist es jedoch zu kalt, um schwimmen zu gehen und so lassen wir die Tour am Lagerfeuer ausklingen.

 

14. Tag - Samstag

Kurz vor Toronto ist es dann soweit - die magische 5000 km - Marke ist erreicht.

Da wir erst am nächsten Tag unsere Units in den Columbia Lake Townhouses bzw. in der Beck Hall beziehen können, verbringen wir noch eine Nacht in der Laurel Creek Conservation Area in Waterloo. Hier spannen wir noch einmal richtig aus und sehen mit Interesse und Neugier dem studentischen Leben in Kanada entgegen.....

 

 

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