Die Prüfungszeit ist vorüber, alle Examen sind geschrieben, die letzten Vorbereitungen für den Winterurlaub werden getroffen. Mein Bruder Peter kommt am 15. Dezember am Flughafen in Toronto an. Mit ihm kommt ein Versorgungspaket, das die elementaren Bedürfnisse der nächsten Monate decken soll. Darunter sind zum Beispiel ein Riesenpaket Taschentücher, zwei gigantische Dosen frisch gebackener Plätzchen und 3,2 kg Schokolade.

Mit von der Partie sind auch Nina und Dylan, Cornelia und Nicolas, der ebenfalls aus Deutschland zu Besuch ist.

In den Tagen der letzten Prüfungen hatte es heftig geschneit, sogar so heftig, dass die Universität für einen Tag geschlossen waren und die angesetzten Examen ausfielen. Glücklicherweise lagen meine beiden letzten Prüfungen genau einen Tag vor und nach der Schließung, aber Cornelias Test wurde auf den 22. Dezember, den offiziellen Ausweichtermin, verschoben. Alle Versuche Cornelias, den Professor zu kontaktieren schlugen fehl und bis etwa zwei Tage vor unserer geplanten Abreise wussten wir nicht, ob wir alle gemeinsam starten könnten. Dann schließlich kam die Erlösende Nachricht, dass die Prüfung auf den 4. Januar verschoben sei.

Vom Outers Club haben wir uns für den Winterurlaub Schneeschuhe und Langlaufskier für die gesamte Truppe ausgeliehen, der Schnee vor der Haustür macht uns den Mund wässrig und so unternehmen mein Bruder Peter, Tim, Peter und ich noch einige Touren mit Langlaufskiern und Schneeschuhen, meist um die Columbia Lake Townhouses herum.

Bevor wir dann tatsächlich aufbrechen können muss der Van nochmals überholt werden. Cornelia ist einige Tage zuvor damit liegen geblieben, gute Aussichten mal wieder ;-)) Aber ein Zündkerzenwechsel behebt die Schwierigkeiten......

19. Dezember 2000

Wir brechen gegen 13:00 Uhr mit unserem Van, Dylans Auto und Proviant für zwei Tage gen Norden auf. Wir kommen gut voran, einiges Problem ist die eingefrorene Wischwasserzuleitung. Wir folgen unserer Standardroute bis zum Highway 400 wenig südlich von Barrie, kurz hinter Orillia zweigen wir auf die 11 ab, um dann in Höhe von Huntsville auf den Highway 60 abzubiegen. Im Dunkeln erreichen wir das Office der Cottages, gleich neben dem General Store in Oxtongue Lake ca. 10 km vor dem Westeingang des Algonquin Parks gelegen. Nach Erledigung der Formalitäten können wir endlich das Cottage beziehen.

Es besteht im Prinzip aus einer großen Ess- und Wohnzimmer-Küchen-Kombination mit zwei angeschlossenen Schlafzimmern und einem Bad. Neben der elektrischen Heizung gibt es außerdem einen offenen Kamin und gutes Feuerholz zur freien Verfügung. Es ist wirklich gemütlich hier, der richtig Ort, um für einige Zeit mal so richtig auszuspannen, nicht an die Uni zu denken und sich vom Stress der letzten Tage zu erholen. Wir richten uns ein wenig ein und genießen den ersten Abend mit heißer Schokolade vor dem Kaminfeuer.

Der Abend ist ein sehr kurzer, wir sind alle reichlich geschafft und so verschwinden Nina und Dylan, Cornelia und Nicolas in die Schlafzimmer während mein Bruder und ich unser Lager vor dem großen Panoramafenster im Wohnzimmer beziehen. Wir entschließen uns die Heizung abzuschalten, da sie reichlich nervige Geräusche von sich gibt.

20. Dezember 2000

Der nächste Morgen begrüßt uns mit einem Sonnenaufgang direkt über dem gegenüberliegenden Ufer des See, der sich unerwarteterweise vor unserem Fenster auftut; in der Dunkelheit des letzten Abends hatte niemand den See so richtig gesehen.

Das Thermometer im (!) Raum verrät den Grund für das frische Gefühl, das wir am Morgen haben. Es sind gerade mal 2 °C, nicht gerade Wohlfühltemperatur. Nachdem wir die Heizung wieder angeschaltet haben geht es wieder bergauf, Frühstück ist schnell gemacht und nach einiger Zeit sind wir dann auch abmarschbereit. Mittlerweile steht die Sonne schon etwas höher und bietet uns ein sagenhaftes Panorama des Sees. Die Temperaturen liegen bei -22 °C.

Für heute haben wir uns entschlossen, die Langlaufskier warmzulaufen. So brechen wir denn schließlich gemütlich um 11 Uhr auf und fahren zum Westgate des Algonquin Parks.

Hier besorgen wir uns eine Parkerlaubnis und starten direkt auf den 3 km langen östlichen Teil des Fen Lake Trails (Punkt A).

Die Loipe ist seit einigen Tagen nicht mehr gezogen worden und von frischem Pulverschnee verdeckt. Aber der Untergrund war irgendwann angetaut und wieder gefroren, so dass die Loipe gut befahrbar ist. Der Weg schlängelt sich durch den Wald, ein wildes Auf und Ab durch eine atemberaubend schöne, tief verschneite Landschaft.

Nach den ersten 1,5 Kilometern trennen wir uns auf. Nina und Dylan wollen lieber langsam laufen, Cornelia und Nicolas schließen sich an und so machen Peter und ich uns auf die Socken. Wir wollen eine große Runde laufen und dann die anderen an einer Schutzhütte (Shelter) zum Mittagspäuschen treffen.

Zwei Abzweigungen weiter westlich (Punkt C) entschließen wir uns, die folgende Schleife auf der Nordseite zu starten. Das 2 km lange Teilstück windet sich einen Berg hinauf, der es in sich hat. Aber wir freuen uns auf die folgende Abfahrt, die es ebenfalls ins sich hat ;-)) Um 14 Uhr - wir sind nur noch 200 m von der Hütte entfernt - treffen wir Cornelia und Nicolas, die uns berichten, dass Nina und Dylan etwas abkürzen und schon zum Auto zurücklaufen. Wir hocken uns noch mal zusammen in die Hütte und halten Brotzeit. Als wir aufbrechen, beginnt schon die Dämmerung einzusetzen. In den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir das Westgate. Nina und Dylan sind auch erst 10 Minuten hier, optimales Timing!

Wir fahren ins Cottage zurück und nehmen erstmal eine schöne, warme Dusche. Wir waren nicht besonders lange draußen heute, aber die frische Luft hat uns reichlich müde gemacht. Wir schmeißen den den Kamin an und bald prasselt ein lustiges Feuer das die Hütte ordentlich aufheizt. Nachdem wir unsere Essenwünsche abgesprochen haben brechen Cornelia und ich nochmals nach Huntsville auf, um für die nächsten neun Tage einzukaufen. Während die anderen ein leckeres Kartoffelgratin zubereiten räumen wir den Supermarkt aus.

Wir wollen Dimpflmeier-Brot einkaufen, nachdem sich die Verkäuferin bei Kollegen erkundigt hat teilt sie uns mit, dass der Markt dieses Brot nicht führt. So laden wir haufenweise frisches und halbwegs festes Brot in unsere Einkaufswagen. Als wir schließlich zur Wursttheke kommen entdecken wir, dass es doch Dimpflmeier-Brot gibt. Sauerei! Wieder packen die anderen Brote wieder zurück und kaufen dafür beinahe alle Dimpflmeier-Brote, die wir finden können, insgesamt 21 Stück. Entsprechend groß fällt auch der restliche Einkauf und die Rechnung aus: ~$340!! Aber umgerechnet auf die Personen und die Zeit sind das gerade mal 10 Mark pro Person und Tag. Dafür bekommen wir dann auch ein super Essen in den nächsten Tagen.

Als wir zurückkommen räumen wir geschwind die Lebensmittel in die Schränke (zumindest das, was hineinpasst ;-)) und widmen uns dann dem Kartoffelgratin.

Den Abend lassen wir mit Lesen und Basteln ruhig ausklingen, unnötig zu sagen, dass die Tasse heiße Schokolade nicht fehlen darf....

21. Dezember 2000

Der Morgen beginnt mit einem super Frühstück. Wir mampfen tatsächlich die drei Brotleibe, die wir für jedes Frühstück einkalkuliert haben. Das Wetter ist heute nicht ganz so schön, aber dafür auch nicht so kalt.

Heute packen wir die Schneeschuhe in den Wagen, wir wollen einem netten Trail im Park folgen. Als wir das Westgate passieren fällt uns auf, dass wir bedenklich wenig Sprit übrig haben und wollen wir an der Tankstelle des Portage Stores am Canoe Lake wieder Benzin auffüllen. Leider ist diese geschlossen und somit hat es keinen Sinn, weiter in den Park zu fahren. Das Benzin sollte gerade noch dazu reichen, zur nächsten Tankstelle außerhalb des Parks zu gelangen. Damit wir nicht völlig umsonst hin- und herkurven beschließen wir, zwei kleinere Trails auf dem Rückweg in Angriff zu nehmen.

So fangen wir ganz klein mit dem Hardwood Lookout an, der sich gerade mal 800 m durch den Wald schlängelt. Aber für das erste mal mit Schneeschuhen eine gute Übung. Bei dem nebeligen Wetter ist von Lookout allerdings wenig zu sehen, dennoch, nachdem wir den kleinen Hügel erklimmt haben, sind alle dafür, gleich zum nächsten Trail aufzubrechen.

5 km weiter westlich beginnt der Whiskey Rapids Trail, der sich ein Stück entlang des Oxtongue River windet.

Wieder zurück im Cottage wärmen wir uns erstmal wieder auf, es ist noch reichlich früh am Nachmittag, massig Zeit, um vor dem Kamin auszuspannen.

22. Dezember 2000

Wie jeden Morgen, nachdem wir uns aus den Federn gekämpft haben, gibt's lecker Frühstück.

Gegen Mittag brechen wir auf, heute ist mal wieder Langlauf angesagt. Als wir am Mizzy Lake Trail ankommen sieht dieser l reichlich schwierig und außerdem ungeloipt aus.

Wie auch immer, wir machen uns fertig, schnallen die Skier an und wollen aufbrechen, als es uns dämmert. Wir sind am falschen Trail, wie peinlich. Eigentlich wollten wir zum Minnesing Trail, weitere 7 km östlich auf dem Highway 60. Also heißt es Skier wieder einpacken und weiterfahren.

Eine halbe Stunden später marschieren wir auf dem ebenfalls ungeloipten Trail los. Alles ist tief verschneit, wir sind die ersten, die den frischen Schnee aufwühlen. Es ist anstrengend voranzukommen, aus der Absicht die 10,1 km Runde zu laufen wird nichts. Nina und Dylan geben auf und laufen zurück während wir zumindest die kleine Runde laufen. Der Wald, der den Weg säumt ist hier ziemlich licht und besteht hauptsächlich aus Buchen.

Auf halber Strecke machen wir eine kleine Tee- und Brotzeit. Da wir uns gerade einen abartige steilen Hang hoch gequält haben sind wir reichlich verschwitzt, ein Grund, die Pause recht kurz zu halten, da man leicht auskühlt.

So machen wir uns zügig auf den Rückweg auf der Ostseite der Schleife. Hier verläuft die Loipe auf einer Straße zur ehemals zum Holzrücken angelegt worden war.

Als wir wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren entdecken wir, dass Nina und Dylan zurückgekommen und auf Schneeschuhe umgestiegen sind. Sie sind immer noch unterwegs und so setzen wir uns in die am Parkplatz angelegte Schutzhütte und mampfen unseren restlichen Brote. Schließlich kommen Nina und Dylan auch zurück und wir brechen auf, um endlich eine heiße Dusche zu bekommen.

Am Abend fahren wir nochmals nach Huntsville zum Einkaufen. Mein Bruder braucht Klebstoff, Lötkolben und -zinn, eines seiner Kameraobjektive ist beim Runterfallen beschädigt worden. Außerdem besorgen wir ein Beil, um auch für Touren über zugefrorene Seen gewappnet zu sein. Und schließlich kaufen wir noch O-Saft und Wein für eine Feuerzangenbowle ein.

Auf dem Rückweg halten wir noch bei einem Hotel, das etwas abseits der Straße liegt. Das Tal ist von vereinzelten Tannenbäumen bewachsen, von denen mindestens hundert mit Lichtern geschmückt sind. Ein unglaublich schöner Anblick und wäre es nicht so kalt und windig würden wir bestimmt länger verweilen.

23. Dezember 2000

Dieser Morgen läutet einen besonderen Tag des Urlaubs ein. Dazu hat die Sonne sich überlegt, besonders hell zu scheinen und alles in ein goldenes Licht zu tauchen.

Wir frühstücken in der Morgensonne und bereiten uns auf ein Ereignis vor, das unbestritten das Highlight des Urlaubs ist - die Hundeschlitten-Tour. Der Himmel ist wolkenlos, die Temperatur liegt bei rekordverdächtigen (für uns) -26 °C, ideal für Schlittenhunde, wie wir später erfahren.

Wir ziehen uns richtig warm an, keiner will sich etwas abfrieren, wenn wir später auf dem Schlitten sitzen oder stehen. Wir brechen auf zum Westgate, wo wir uns um 10 Uhr mit unseren Guides - Vater und Sohn - treffen.

Gemeinsam fahren wir dann weiter zum Sunday Lake Trail, der eigens für Hundeschlittenfahrten angelegt wurde. Hier beginnen unsere Guides, die Schlitten vorzubereiten, eine recht aufwendige Sache, aber alles verläuft sehr durchdacht und ruhig. Die Schlitten werden zunächst an der vorderen Stoßstange des Geländewagens befestigt und die Zugleinen davor auf dem Boden ausgebreitet.

Als das Material soweit bereit ist bekommen wir Instruktionen, wie der Schlitten zu manövrieren ist. Über rechts und links brauchen wir uns im Prinzip nicht kümmern, da die Hunde immer dem Trail, bzw. dem Schlitten voraus folgen. Dennoch - mit bestimmten Kommandos ("Gee" für rechts und "Haa" für links) kann man die Hunde auch auf für sie unbekanntem Terrain lenken.

Die Hunde spüren, dass es bald los geht und werden immer unruhiger. Als sie dann vor den Schlitten - einen so genannten Toboggan - gespannt werden, sind sie kaum noch zu halten, was aber zu unserer Aufgabe gemacht wird, damit sich die Leinen nicht verheddern. Das Geschirr haben sie schon vor Beginn der Fahrt angelegt bekommen und so geht es jetzt recht fix. Nach nur 10 Minuten sind alle Hunde vor den vier Schlitten, jeweils 5 Hunde (2 Leithunde, 2 Lenkhunde und einer in der Mitte) für jeden mit zwei Personen besetzten Schlitten, nur der Sohn fährt allein auf einem Schlitten mit vier Hunden.

Alles ist vorbereitet, jetzt kann's losgehen. Wir führen die Schlitten auf den Trail und unter unbändigem Gezerre an den Zugleinen rasen die Hunde los. Man kann ihnen förmlich ansehen, wie sehr sie es genießen. Endlich rennen zu dürfen. Mit unter minus 20 ºC ist es kalt genug für die Hunde, ihre Körper dampfen und ab und zu fressen sie eine Schnauze voll Schnee.

Der Trail verläuft zunächst auf einem Pfad durch Fichtenwald, aber bald darauf geht es hinab auf Höhe des Sunday Creek Marsh, ein verlandender See, der jetzt zugefroren ist. Wir kreuzen den See nordwärts und gelangen nach einigen Metern Waldpassage wieder auf einen See, den Sunday Lake. Hier machen wir einen kurzen Halt.

Die Hunde des einen Schlittens sind noch neu, kennen den Weg nicht und so geht es ein wenig schleppend voran. Unser Guide tauscht die Positionen der Schlitten, danach geht es wieder besser voran. Wir passieren den Sunday Lake westwärts und schwenken dann nordwärts auf einen Trail, der durch ein wenig hügeliges Gelände führt. Diejenigen, die hinten auf dem Schlitten stehen müssen jetzt des Öfteren abspringen und zum Teil den Schlitten unterstützend schieben. Waren die Hunde anfangs noch richtig fit, merkt man ihnen jetzt an, dass ihre Kräfte nachlassen. An wirklich steilen Stücken müssen auch die aussteigen, die sonst gemütlich auf dem Schlitten sitzen. Der Trail schwenkt wieder nordwärts und führt dann in einer Rechtsschleife über den Titmouse Lake und den Sproule Lake zum Sunday Lake zurück. Wir überqueren den See nochmals westwärts schlagen dann aber den Trail zurück zum Parkplatz ein. Nach ca. 3 Stunden kommen wir wieder am Ausgangspunkt an. Wir hatten uns alle recht warm eingepackt, und nachdem wir (zumindest die, die hinten auf dem Schlitten gestanden haben) etwa 8 der 17 km neben dem Schlitten her gerannt sind, haben wir uns ganz schön eingeschwitzt.

Die Hunde werden an die schon zu Beginn am Truck montierten Leinen angebunden und während sie sich jetzt ausruhen erzählt uns der Guide, wie die Hunde bei ihm Zuhause gehalten werden, wie man ihnen ein Geschirr anlegt und abnimmt und wie sie gefüttert werden.

Nachdem wieder alles auf dem Truck verstaut ist und die Hunde in ihren Boxen untergebracht sind verabschieden wir uns und machen uns auf den Rückweg zum Cottage.

Auf dem Rückweg halten wir noch einige Male, um ein paar Fotos zu schießen, leider einmal zuviel. Beim letzten Stopp - ich will den Wagen auf dem vermeintlichen Randstreifen ausrollen lassen - geraten die Räder auf der rechten Seite in tieferen Schnee und der Wagen rutscht wie in Zeitlupe in den Graben. Helle Aufregung im Auto, aber es ist nichts passiert. Doch - alles Schieben hilft nichts, der Wagen gräbt sich nur noch tiefer in den Schnee ein. Man merkt plötzlich, dass man in Kanada ist, fast jeder, der uns passiert hält an, um sich zu erkundigen, ob es uns gut geht. Ein Ehepaar will eine Servicestation informieren, die dann einen Abschleppwagen schickt. Während wir warten halten immer wieder Leute an, sogar wenn sie sehen, dass schon jemand anderes fragt. Zeitweise herrscht ein regelrechter Stau auf dem Highway. Irgendwann hält ein Geländewagen an und ich will sie schon freundlich abwimmeln und erkläre ihnen, dass Hilfe schon unterwegs sein sollte. Aber der Fahrer will überhaupt nicht Hilfe für uns rufen, sondern bietet an, uns aus dem Graben zu ziehen. Gesagt getan, nach einigen Versuchen schaffen wir es tatsächlich, den Wagen wieder zurück auf die Straße zu bekommen. Wir möchten ihn gerne ein wenig Geld für seine Mühe geben, aber der Mann lehnt ab, es sei schließlich Weihnachten. Einfach umwerfend nett, ich bin wirklich schwer begeistert von der Hilfsbereitschaft und schäme mich fast ein wenig dafür, denn ich weiß in Deutschland würden wir vermutlich immer noch im Graben sitzen.

Das einzige Problem ist nur noch der Abschleppwagen, der eigentlich schon längst hier sein müsste. Wir beschließen, uns auf den Weg zu machen und den Abschleppwagen Bescheid zu geben, wenn es uns entgegen kommt. Wir fahren sicherlich noch eine halbe Stunde auf dem Highway, aber es ist kein Abschleppwagen zu sehen. Wir hätten vermutlich vergebens auf ihn gewartet.

Den Abend verbringen wir gemütlich in der Hütte, nur für einen kurzen Spaziergang in der Eiseskälte gehe ich mit Dylan und Nina noch mal raus. Wir sind alle ziemlich erschöpft, ein wirklich ereignisreicher Tag liegt hinter uns, Erlebnisse, die wir so schnell nicht vergessen werden, haben diesen Tag geprägt.

Nina hat am nächsten Tag Geburtstag und wir haben uns vorgenommen, ein wenig hineinzufeiern. Um nicht einfach einzuschlafen - wie Nina für eine Stunde - stellen wir heimlich die Uhren im Cottage vor und verlegen den Geburtstag etwas vor. Nina kommt uns natürlich schnell auf die Schliche, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Und so gibt es ein wenig Sekt und einige Geschenke, ein wirklich schöner Abend.

24. Dezember 2000

Nina und Dylan fahren heute für die Weihnachtsfeiertage zu Dylans Eltern und so brechen Cornelia, Nicolas, Peter und ich nach dem gemeinsamen Frühstück zu einer Schneeschuhtour auf.

Wir haben uns für den Track & Tower Trail entschieden, einen Trail der uns entlang des Cache Lake und einer alten Eisenbahntrasse führt. Das Wetter ist leider nicht ganz so schön, bewölkt, dafür aber etwas wärmer als am Tag zuvor. Nach etwa 2 km auf dem Pfad, der sich malerisch durch einen verschneiten Mischwald schlängelt, gelangen wir zum Cache Lake und gehen einige Zeit auf ihm parallel zum eigentlichen Weg.

Nach einem weiteren Kilometer gelangen wir an eine Staustufe, die vor Jahrzehnten zur Regulierung des Wasserstandes angelegt worden war. Das Abflüsschen des Cache Lakes ist fast völlig zugeschneit, nur stellenweise fließt das Wasser gluckernd über die Felsen. Mittlerweile hat es wieder angefangen zu schneien, einzelne Schneeflocken zeigen sich in ihrer vollen Pracht, wenn sie auf den dunklen Teil meiner Jacke fallen. Feinste Verästelungen zieren den Kristall und verdeutlichen seinen detaillierten Aufbau. Eine Brücke führt über den Bach und der Trail folgt dessen Verlauf entlang einer Felswand.

Wir marschieren an weiteren kleinen Seen und Marschland vorbei bis wir schließlich an einen steilen Hang gelangen. Als wir diesen erklommen haben erkennen wir deutlich die alte Eisenbahntrasse, die sich beinahe eben durch den Wald windet. Wir sind heute wieder recht spät losgekommen und in Hinsicht auf das Essen, das wir zubereiten wollen, entscheiden wir uns, den Abzweig zum Lookout nicht zu beachten und weiter dem Trail zu folgen. Einige hundert Meter weiter müssen wir die Trasse verlassen und zu einem Bach herabzuklettern, der diese schneidet. Vor Jahren verband eine Brücke die Pfeiler, die heute noch aus dem Grund ragen. Auf der anderen Flussseite geht's wieder auf Höhe der Trasse hinauf.

Nach einem weiteren halben Kilometer müssen wir die Trasse verlassen und dem Trail in den Wald hinein folgen. Es geht wieder über hügeliges Gelände und an einer Stelle verweilen wir einige Zeit. Hier Hat sich von einer kleinen Felskette herab eine Palisade aus großen Eiszapfen gebildet.

Wir folgen dem Trail weiter, aber auch wenn wir kein schweres Gepäck dabei haben ist das Laufen doch recht anstrengend. Wir legen den Rest den Weges recht schnell zurück, die Vorfreude auf das für heute geplante Festessen spornt uns an.

Wieder zurück im Cottage machen wir uns sofort an die Arbeit und müssen feststellen, dass wir immer noch etwa 7 Stunden auf das Essen warten müssen. Also gibt's erstmal einen Snack und etwas Warmes zu trinken.

Schließlich ist es soweit, es kann serviert werden.

Wir haben einen riesigen Truthahn zubereitet, dazu gibt es riesige Semmelknödel (die schließlich 6 Stunden Zeit hatten zu gehen ;-)) und Rotkraut. Wir hauen so richtig rein, einfach lecker!

Als wir endlich total gefüllt in die Couch fallen können wir uns kaum noch bewegen. Aus dem Radio sind die typischen kanadischen Weihnachtslieder zu hören: "Grandma got runover by a reindeer", "Frosty, the snowman" und "Rocking round the Christmas tree", eine bunte und lustige Mischung, nicht ganz so eingerostet und langweilig wie in Deutschland.

Wir machen uns mal wieder heiße Schokolade und dann gibt's auch noch eine Bescherung.

25. Dezember 2000

Für heute haben wir eine Skilanglauftour geplant, doch als wir uns nach dem Frühstück umziehen wollen, entdecken wir, dass wir die Skilanglaufschuhe im Wagen vergessen haben. Jetzt sind diese bei etwa -20 ºC tiefgefroren und wir müssen sie erstmal an der Heizung auftauen.

Das Wetter hält dafür eine angenehme Überraschung für uns bereit. Die Sonne lacht, der Himmel ist wolkenlos und blau, blau, blau!

Wir fahren zum Leaf Lake Ski Trail, der sich in der Nähe des Osteingangs des Parks befindet.

Wir starten am Parkplatz und halten uns auf dem Leaf Lake Trail Richtung Nordwesten. Der Weg verläuft zunächst wenig hügelig und führt uns durch eine traumhafte Landschaft. Eine Zeit lang folgt eine Tierspur - vermutlich ein Wolf - der Loipe, wahrscheinlich gerade mal einen Tag alt, vielleicht weniger.

Nach 3,1 km erreichen wir die Abzweigung, die uns auf den Pinetree-Rundweg, den vielleicht schönsten aller Skilanglaufstrecken des Parks, führt. Ab hier ist gibt es keine gezogene Loipe und Skatingspur mehr, dafür sorgen steile Anstiege dafür, dass uns ordentlich warm wird und lange Abfahrten dafür, dass uns nicht der Spaß an der Sache vergeht. Mehrere Aussichtspunkte geben den Blick auf den weit unter uns liegenden Pinetree Lake frei, eine weiße Fläche, die im Kontrast zu den dunklen Bäumen steht, die sie umgeben. Wir erreichen schließlich eine Schutzhütte, in der wir eine kurze Brotzeitpause einlegen. Die Hütte ist gemütlich warm, zwei Skilangläufer, die uns Stunden zuvor entgegen gekommen waren, haben hier offensichtlich übernachtet.

Von der Veranda hat man einen fantastischen Blick über die umgebende Landschaft, die sich schneebedeckt unter uns ausbreitet.

Wir machen uns wieder auf den Weg, lassen den Thistle Lake hinter uns und erreichen schließlich wieder Leaf Lake Trail. Nach etwa 17 km kommen wir wieder am Auto an.

Die letzten Kilometer geben wir nochmals richtig Gas und nachdem wir ein wenig getrocknet sind machen wir uns auf den ca. 65 km langen Heimweg.

26. Dezember 2000

Heute klingt sich Cornelia mal aus, die Prüfung am 4. Januar wirft schon ihre Schatten voraus. So machen Nicolas, Peter und ich uns am späten Vormittag auf, den Snowshoe Trail am Canisbay Lake in Angriff zu nehmen.

Der Trail führt uns zunächst über eine Zufahrtsstraße zu dem am See gelegenen Campingplatz. Zu Beginn sind noch einige Schneeschuhspuren zu erkennen, die von Nina und Dylan stammen. Als wir am See ankommen ist da nur eine Andeutung einer Langlaufspur zu erkennen, die mitten auf den See führt. Wir folgen der Spur und nach 10 Minuten befinden wir uns weit draußen auf dem See. Plötzlich fühlen sich die Schneeschuhe ungewohnt schwer an. Ein Blick auf die Spuren, die ich mit meinen Schneeschuhe hinterlasse, zeigt mir warum: Unter der ca. 10 cm dicken Schneeschicht wird ist es reichlich sulzig, das Wasser/Schnee-Gemisch friert leicht an dem kalten Aluminium-Rahmen and und formt dicke Klumpen. Die Sache ist uns nicht ganz geheuer und so gehen wir ein Stück zurück und prüfen die Eisdicke, indem wir mit einem Beil ein Loch in die Eisdecke schlagen.

Die Überprüfung ergibt ein Dicke von etwa 15 cm, genug sogar für Schneemobile, 10 cm wären die Mindestdicke für eine sichere Begehung. Dennoch - wir vermeiden jedes unnötige Risiko und halten uns in der Nähe des Ufers.

Nach ca. 3 km erreichen wir das nördlich Ende des Sees, von hier aus geht es weiter über sumpfiges Gebiet. Hier münden einige Zuflüsse in den Creek, ein weiterer Grund sich jetzt strikt am Ufer zu halten. Das Vorankommen wird deutlich schwerer, die 60 cm Schnee, die sich auf dem Uferbewuchs aufgehäuft haben werden unter unseren Schritten nicht nur komprimiert, sondern verteilen sich auch im Gestrüpp darunter. Somit sinken wir selbst mit Schneeschuhen teilweise bis zu einem Meter tief ein. Einige Male reißen neben uns große Löcher auf. Eine nur etwa 2 cm dicke Eisschicht hält die Schneemassen, die auf ihr lasten. Das Wasser darunter ist beinahe vollständig abgeflossen und so brechen ab und zu großen Placken unter einem dumpfen Geräusch zusammen.

An einer Stelle weiche ich nur etwa einen halben Meter von der Elchspur ab, der wir folgen. Die Tiere hier wissen, wo sie sicher gehen können, man muss nur ihren Spuren folgen. Aber dieser halbe Meter ist schon genug und so stehe ich plötzlich einen Meter tiefer in einem Loch mit Wasser, das mir zum Glück nur bis zum Schaft meiner Wanderschuhe reicht. Die Wanderschuhe, die ich mir vor dem Urlaub noch gekauft habe, bewähren sich ausgezeichnet und so behalte ich trockene Füße, bei -15 ºC ist es kein Spaß, mit nassen Füßen herumzulaufen. Wir lassen einige Bieberdämme hinter uns und wandern entlang des nun recht schmalen Creeks.

Als wir den Skilanglauftrail kreuzen, entschließen wir uns, diesem zurück zum Auto zu folgen. Als wir an einer Schutzhütte vorbeikommen, packen wir die Gelegenheit beim Schopfe und halten unsere Brotzeit darin ab. Wir haben wieder Glück, der Ofen ist immer noch heiß, die Hütte noch halbwegs warm. Trotzdem, es ist schon reichlich spät und so brechen wir bald wieder auf. Wir legen nochmals einen Endspurt ein, die letzten 5 Kilometer legen wir in unter einer Stunde zurück. Nach insgesamt etwa 20 km erreichen wir den Parkplatz, an dem unser Wagen auf uns wartet.

Wir laden unsere Schneeschuhe ein und düsen los. Es hat mittlerweile schon angefangen zu dämmern und plötzlich entdecke ich am Straßenrand einen großen dunklen Schatten. Als wir nähern kommen bemerken wir, dass dieser zu einer Elchkuh gehört, die mit ihrer gewaltigen Schnauze in aller Ruhe am Straßenrand im Schnee wühlt. Das Tier hat mit Sicherheit eine Schulterhöhe von zwei Metern. Wir können es etwa 5 Minuten beobachten während es am Straßenrand auf- und abläuft, um dann im Wald zu verschwinden. Dabei sinkt es bis über die Knie im Schnee ein.

Als wir schließlich das Cottage erreichen, erwartet uns noch eine Überraschung. Dylans Mutter und Schwester haben Nina und ihn zurückgebracht und bleiben über Nacht.

Für den nächsten Tag setzen wir also eine gemeinsame Schneeschuhwanderung an. Zum Abendessen gibt es eine deutsch-kanadische Melange aus Käsespätzle und Fleisch/Gemüsepfanne. Wir haben eine Menge Geschichten zu erzählen und die Feuerzangenbowle, die wir eigentlich für Weihnachten geplant hatten, passt jetzt besonders gut. Und so sitzen wir mal wieder vor dem Kaminfeuer und schnacken bis tief in die Nacht.

27. Dezember 2000

Der Morgen begrüßt uns mal wieder mit super Sonnenschein. Wir halten ein echtes Schlemmerfrühstück ab und machen uns auf die Socken. Bei den Algonquin Outfitters leihen wir für unsere Gäste Schneeschuhe und fahren dann ca. 30 km in den Park hinein, um den Bat Lake Trail abzulaufen.

Der Trail beginnt in einem Fichtenwald, nur ein sehr schmaler Pfad führt durch das dick verschneite Wirrwarr aus Bäumen.

An einer Stelle hoch über dem Bat Lake machen wir an einem Punkt halt, der eine unglaubliche Aussicht über den Algonquin Park bietet. Hier gibt's erstmal eine Brotzeit, dann geht's weiter.

Über einen steilen Abstieg gelangen wir auf Höhe der umgebenden Seen. Als wir schließlich am Bat Lake ankommen können wir nicht anders und laufen mit unseren Schneeschuhen große Buchstaben in die noch jungfräuliche Schneedecke.

Wir erreichen das Auto am späten Nachmittag und machen uns auf den Rückweg. Unser Besuch verabschiedet sich, aber nicht ohne uns zum Essen nach Brampton einzuladen. Wir nehmen die Einladung gerne an. Zum Abendessen haben wir heute Chili con carne, es war deutlicher leckerer als es auf dem Bild aussieht.....;-))

28. Dezember 2000

Wir haben das Cottage leider nur bis heute mieten können und nun müssen wir ausziehen. Zum Glück haben wir erfahren, dass die Besitzer des General Stores auch ein Cottage zu vermieten haben, in dem wir weitere drei Tage am Oxtongue Lake bleiben können.

Nachdem wir unseren Krempel in das neue Heim geschafft und frische Lebensmittel eingekauft haben wollen wir noch einige Stunden an die frische Luft. Nina legt mal einen Tag im Cottage ein und so gehen der Rest von uns auf Skilanglauftour direkt vor unserer Hütte auf dem Oxtongue Lake.

Nachdem wir das nördliche Ende erreicht haben setzt sich Dylan ab. Es ist reichlich windig und damit saukalt und ihm fehlt die Motivation sich zu quälen. Cornelia, Nicolas, Peter und ich halten uns südwärts. Unterwegs treffen wir einen Briten, der vor dreißig Jahren nach Kanada immigriert ist, seinen britischen Akzent aber nie verloren hat. Er erzählt uns, dass seine Tochter auch in Waterloo studiert und dass er das ganze Jahr in seinem Cottage wohnt...

Wir laufen noch etwa 2 km weiter, dann setzen sich auch Cornelia und Nicolas ab. Peter und ich laufen noch bis zum Südende des Sees, wo wir eine Brotzeit einlegen. Auf dem Rückweg weht uns der eisige Wind schneidend ins Gesicht, zum Glück haben wir Gesichtsmasken dabei, die Erfrierungen vermeiden ;-))

Als wir wieder zurückkommen ist irgendwie die Schlafsucht ausgebrochen, alle dösen irgendwo herum, ein müder Haufen!

Am Abend bereiten wir wieder mal ein leckeres Kartoffelgratin zu. Der Herd, der im Cottage steht, ist sicherlich 40 Jahre alt und bereitet uns ein Problem: er wird nur warm, aber nicht heiß und das auf höchster Stufe. Dylan ruft schließlich bei den Besitzern an und die sagen, dass eins die höchsten Stufe sei und nicht, wie wir fälschlicherweise angenommen haben, die sieben. Als es dunkel wird klart es auf und ein atemberaubender Sternenhimmel erstrahlt über uns. Wir können die internationale Raumstation vorbeiziehen sehen, das Summen hochtouriger Motorschlitten ebbt hier auch bei Nacht nicht wirklich ab.

Als es später wird setzen wir uns zusammen und spielen noch eine Runde Siedler, dann fallen wir müde in unsere Betten/Schlafsäcke.

29. Dezember 2000

Heute ziehen Cornelia, Nicolas, Peter und ich los, um den Mizzy Lake Trail mit Schneeschuhe zu begehen. Nina und Dylan wollen einen ruhigen Tag im Cottage verbringen und so ziehen wir zu viert nach dem Frühstück los.

Der Mizzy Lake Trail führt in einer 11 km langen Schleife um zahlreiche Seen und es wird behauptet, es sei der schönste Hiking Trail im Park. Der Weg läuft entlang des auch im Winter zauberhaften Mizzy Lakes, um dann für einige Kilometer derselben alten Eisenbahntrasse zu folgen, die wir Tage zuvor auf dem Track & Tower Trail kennen gelernt haben.

Man passiert West Roses Lake und gelangt dann zu einer Abzweigung die zu den so genannten Bärennestern führt. Der Pfad dorthin ist noch unberührt von Wanderern und so stapfen wir zusätzliche 2 km durch den hohen Schnee. Ein Abstecher, der sich absolut lohnt.

Diese Nester sind nicht etwa die Plätze, wo Bären ihre Sprösslinge aufziehen, sondern vielmehr nur nestartig aussehende Ansammlungen von Ästen und Zweigen, die Bären bei ihren letzten Mahlzeiten vom Baum abbrechen, wenn sie versuchen an die Blätter weiter außen im Baum zu gelangen. Nicht alle Äste fallen zu Boden, manche verfangen sich im Baum und so bildet sich während der Mahlzeit um die Bären herum eine Art Nest. Schaut man sich die Rinde der Bäume an, auf denen sich diese Ansammlungen von Zweigen befinden, so kann man darin deutlich die Spuren erkennen, die die Krallen dort beim Herauf- und Herabklettern hinterlassen haben. Sowohl frische Spuren aus dem letzten Herbst als auch bereits vernarbte Spuren der letzten Jahre kann man deutlich erkennen.

Als wir einige Fotos gemacht haben laufen wir wieder zurück zum eigentlichen Rundtrail. Wir passieren den Wolfs Howl Pond und weitere Seen wie den March Hare Lake.

Es ist mittlerweile etwas diesig geworden und ein diffuses Licht erzeugt eine surrealistische Stimmung an dem See.

In der Dämmerung erreichen wir wieder den Wagen und trotz angestrengtem Beobachten können wir auf der Heimfahrt keinen weiteren Elch entdecken.

Den Abend verbringen wir mit Kochen, Essen, Siedler spielen und herumgammeln, so richtig faul eben.

30. Dezember 2000

Unser letzter Tag am Oxtongue Lake ist angebrochen, heute wollen wir nochmals alle zusammen einen Schneeschuhwanderung unternehmen. Dazu haben wir uns den Hemlock Bluff Trail auserkoren.

Der kurze Weg führt uns an eine Klippe heran, von der man einen schönen Ausblick auf den Jack Lake hat.

Auf dem weiteren Weg kommen wir an Baumbeständen vorbei, die hauptsächlich von Buchen dominiert werden. An manchen der Buchen kann man Spuren von Bärenkrallen entdecken, die die Tiere auf ihrer Suche nach frischen Blättern hoch oben im Baum hinterlassen haben. Der Rundweg ist nur 3,5 km kurz und nach eineinhalb Stunden sind wir wieder am Auto. Als wir gerade unsere Schneeschuhe einladen ruft Cornelia plötzlich, dass wir alle mal schauen sollen. Und dort, keine 10 entfernt stehen ein Elchkuh und ihr Junges, beide sind offensichtlich gerade aus dem Wald aufgetaucht und sie schauen genauso neugierig und erstaunt zu uns hinüber, wie wir zu ihnen. Sind verweilen einige Sekunden, dann taucht hinter ihnen ein Elchbulle auf und sie laufen ein kurzes Stück den Highway hinunter, um ihn dann zu kreuzen und im morastigen Nadelwald zu verschwinden.

Wir machen uns auf den Rückweg und halten noch einmal kurz hinter dem Parkausgang an. Peter und ich wollen hier die nahen Wasserfälle des Oxtongue Rivers erkunden, während die anderen schon ins Cottage zurückfahren. Von hier aus sind es nur noch 1,5 Kilometer zum Oxtongue Lake, eine Strecke, die wir gerne laufen, wenn man dafür noch einige großartige Ausblicke auf die vereisten Fälle werfen kann.

Wir kraxeln ein wenig in den Fällen herum und machen uns dann auf den Heimweg. Wir wollen auf direktem Weg zurücklaufen und schlagen uns durchs Dickicht, laufen über den zugefrorenen Oxtongue Lake. Ein Abenteuer, das allerdings ziemlich zeitaufwendig ist. Wir schneiden nur wenig ab, dafür laufen wir umso mehr im Zickzack.

Als wir schließlich ankommen kochen wir gemeinsam, essen und machen uns dann daran, unsere Sachen zu packen. Den letzten Abend spielen wir noch zwei Runden Siedler, dann hauen wir uns in die Falle.

31. Dezember 2000

Wir stehen man wirklich früh auf, wir haben nichts mehr fürs Frühstück über und so haben wir geplant, alles zu packen, den Schlüssel fürs Cottage abzugeben und dann irgendwo auf dem Weg nach Ottawa zu frühstücken.

Dazu wollen eigentlich einen Tim Horton's ansteuern, doch auch wenn man sonst an jeder Ecke einen findet - wenn man mal braucht ist keiner da! Als wir irgendwann richtig hungrig werden halten wir bei einem Supermarkt an und kaufen Brot, Muffins, Nutella und Milch. Wir hocken uns ins Auto und mampfen erstmal genüsslich, was wir gerade erstanden haben.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Ottawa. Wir haben für die dortige Jugendherberge Plätze reserviert und so können wir nach kurzer Zeit unsere Zimmer beziehen. Ich sollte wohl besser "unsere Zellen" sagen, denn die Jugendherberge wurde noch bis 1972 als Gefängnis betrieben.

Seit dieser Zeit hat man an dem Bau wenig geändert, der Charakter eines Knast ist erhalten geblieben, ein Erlebnis, dass ich weiterempfehlen kann.

Nachdem wir unsere Betten gemacht haben brechen wir für einen Bummel durch die Stadt auf. Bereits nach wenigen Metern erreichen wir den Rideau Canal, eine Wasserstraße, die den Ottawa River mit dem St Lorentz Strom verbindet. Damals wie heute spielt er für den kommerziellen Transportverkehr nur eine untergeordnete Rolle. Heutzutage wird er im Sommer von Kapitänen kleiner Boote befahren, im Winter - wenn er zugefroren ist - bildet er eine 7 Kilometer lange Eislaufstrecke, die von Fressständen gesäumt ist.

Wir sind hungrig und so machen wir uns auf, um irgendwo ein nettes Lokal zu finden. Wir landen in einem Restaurant, in dem man gut Burger und Pizza essen kann. Nachdem wir uns den Magen vollgeschlagen haben, wechseln wir die Lokalität, um in einem Irish Pub - dem Mayflower II - den weiteren Abend zu verbringen.

Wir leeren einige Pitcher Bier und haben eine gute Zeit und viel Spaß. Als es dann auf 11 Uhr zugeht, machen wir uns wieder auf den Weg. Der Plan ist, um Mitternacht auf einer Brücke über den Ottawa River zu sein und von dort aus das Feuerwerk zu beobachten. Kurz bevor wir dort eintreffen erfahren wir von einer Polizistin, dass dieses Jahr aus Sparmaßnahmen kein Feuerwerk abgefeuert wird. Aber wir lassen uns dennoch nicht abhalten und marschieren im eisigen Wind auf die Brücke. Als es zwölf schlägt ist tatsächlich kein einziges Feuerwerk zu sehen. Privat veranstaltet niemand in Kanada so etwas, die Kanadier bleiben lieber im Warmen.

Aber auch so haben wir viel Spaß, das Panorama entlohnt allemal für das Lange-in-de-Kälte-Herumstehen. Auf unserem Weg zurück in die Jugendherberge sehen wir, wie sich die Sylvesterfeten auflösen, vermutlich ist jeder Kanadier bereits um 1 Uhr im Bett! Die anderen gehen bald schlafen, aber ich setze mich noch einige Zeit in den Speise- und Aufenthaltsraum, wo ich ein sehr gutes Gespräch mit einem Produzent von CBC Radio führe.

1. Januar 2001

Wir laufen ein wenig durch Ottawa, umrunden das Parlament und sehen das Chateau Laurier.

Aber heute sind die Geschäfte geschlossen, dasselbe gilt für die Museen und am Mittag beschließen wir, bereits heute nach Hause zu fahren. Auf dem Rückweg halten wir noch in Brampton bei Dylans Familie, wo wir ein supergutes Chili aufgetischt bekommen. Danke nochmals für die freundliche Einladung und den schönen Abend!

Gegen Mitternacht erreichen wir dann die Columbia Lake Townhouses. Hinter uns liegt ein unglaublich erlebnisreicher Urlaub, wie er uns bestimmt noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.

 

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