22. Juni 2004 - 1. Tag

Nach einigen Tagen des Packens, Proviant Zusammenstellens und auf die kommende Tour Freuens machen Geraldine und ich  uns auf den Weg, um ca. 350 km nördlich von Halmstad auf dem Seengebiet rund um den Dalslandkanal für 9 Tage der Zivilisation weitestgehend auf einer Kanutour zu entfliehen.

Das Silverlake Kanuzentrum bei Kråkviken (ca. 20 km nördlich von Bengtsfors) haben wir zu unserem Startpunkt gewählt und hier auch einen Kanadier vorbestellt. Unser Plan war zunächst, hier zu übernachten und dann am nächsten Morgen loszupaddeln. Als wir ankommen lockert sich die Bewölkung etwas auf und eine große, lärmende Gruppe von Pfadfindern trägt sehr zu unserem Entschluss bei, noch am selben Abend loszukommen.

 

Die Formalitäten sind schnell und unkompliziert erledigt und ca. 20 Minuten später sind wir zur Abfahrt bereit. Den Kanuvermietern haben wir unsere ungefähre Route angegeben und erhalten dann unsere Ausrüstung: neben dem Kanu sind das noch ein Spaten (wenn man eine Toilette braucht, aber keine finden kann ;-)), Schwimmwesten, die zu tragen hier in Schweden Pflicht ist (an Schleusen wird man sonst zurückgeschickt), ein Transportwagen (zum einfachen Transport des Kanadiers zwischen Seen) und natürlich Paddel (für jeden von uns beiden eines PLUS ein Ersatzpaddel) . Zusätzlich zur Kanumiete müssen wir auch noch eine Naturpflegekarte bezahlen, die uns berechtigt, die eingerichteten Lagerplätze zu nutzen. Pünktlich zum Start unserer Tour lässt sich die Sonne blicken und wir freuen uns darauf, den schönen Abend bereits an einem Lagerplatz fernab des Trubels verbringen zu können.

Wir paddeln etwa 2 Stunden auf dem Västra Silen, bis wir unseren ersten Übernachtungsplatz mit Namen Krokfors (DANO 73) erreicht haben. Er verfügt über eine Feuerstelle mit Baumstämmen als Sitzgelegenheit, eine einfache Schutzhütte (eigentlich nur ein Holzverschlag, der zur Feuerstelle hin offen ist) und ein etwas abseits gelegene Komposttoilette. Hier im Dalsland-Nordland (DANO) Kanurevier wurden insgesamt ca. 100 dieser Lagerplätze angelegt, die sich jedoch in ihrer Größe unterscheiden können. Als Gruppe über 6 Personen muss man seine Übernachtungswünsche vor Tourstart angeben/buchen. Wir als Zweiergrüppchen mit nur einem Zelt können dagegen einfach losziehen. Bis auf wenige Ausnahmen darf man an jedem Ufer hier im Revier auch zelten, ein Lagerfeuer darf allerdings NUR in den befestigten Feuerstellen entzündet werden, die man auf den DANO-Lagerplätzen findet. Feuerholz ist meist in ausreichender Menge vorhanden, allerdings war das Holz auf unserer Tour fast immer frisch geschlagen und entsprechend feucht. Aber solange der Rauch die Mücken vertreibt... ;-))

Nachdem wir unser Zelt aufgebaut haben, machen wir uns ans Kochen. Heute gibt es Porree-Käse-Suppe mit Baguette - ein Luxusmahl. Die Route, die wir gewählt haben wird uns nur in Bengtsfors und in Håverud eine Einkaufsmöglichkeit geben und so haben wir für 7-8 Tage Vorräte eingepackt. Wir lassen den Tag am Lagerfeuer ausklingen und gehen als es kühl wird ins Zelt. In der Nacht wache ich noch einige Male auf, da irgend etwas (vermutlich ein Reh) ums Zelt herumschleicht. Dann bricht es durchs Unterholz und ist verschwunden...