Cederberge

29. Januar 2002

Da wir bereits am Vortag unsere Lebensmittelvorräte aufgefrischt haben können wir heute früh starten. Wir verlassen Stellenbosch gen Norden und halten uns zunächst auf Nebenstrassen, die uns durch die steppenartige Landschaft führt. Später stoßen wir in Höhe von Piketberg auf die N7, der wir weiter nordwärts folgen. Die Schnellstraße führt uns nun in ein Tal, das zwischen den Cederbergen und einem weiter westlich gelegenen Höhenzug eingebettet ist. Bald schon führt die Straße auf den östlichen Höhenzug zu und erklimmt ihn zügig. Die Aussicht die wir kurz vor dem Pikenaarskloof-Pass auf die Ebene unter uns haben ist überwältigend.

Nachdem wir den Pass hinter uns gelassen haben tauchen wir ins Tal des Olifants-Flußes ein. Es ist ein fruchtbares Tal, wie die Felder zeigen, die wir jetzt passieren. Kilometer lange Bewässerungsgräben ermöglichen hier einen extensiven Landbau. In etwa auf halber Höhe zwischen Citrusdal  und Clanwilliam verlassen wir die Schnellstrasse und fahren auf einer schlechten Schotterpiste ostwärts. Größere Steinbrocken auf der Piste fordern bereits nach wenigen Kilometer ihren Tribut: unsere erste Reifenpanne. Das aufwendigste beim Reifenwechseln ist bei uns allerdings, das Aus- und Einräumen unseres Gepäcks. Schnell ist der Schaden behoben und wir erreichen bald darauf unseren Zeltplatz in der Nähe von Algeria. Die Anlage liegt in einem Waldstück am Rondegatrivier und außer einigen wenigen Südafrikanern sind wir die einzigen Gäste. Unverständlich bei so einem idyllischen Fleck. Im Schatten alter Bäume schlagen wir unsere Zelte auf. Als wir uns schließlich genauer umsehen wird uns auch das wundervolle Panorama der Cederberge bewusst, das sich uns bietet.

Diese Gegend ist - was das Infomaterial bestätigt - eine hervorragende Wandergegend, fast völlig unberührt. Viele Wanderpfade durchziehen das Gebiet und sind auch in der hier erhältlichen topographischen Karte eingezeichnet. Wir haben leider nur diesen Tag für die Cederberge eingeplant, aber für einen kurzen Ausflug soll es noch reichen. Nach einem stärkenden Picknick machen wir uns auf den Weg Richtung Middelberg-Hütte. Unser Ziel ist allerdings ein Wasserfall auf dem Weg dorthin. Nach wenigen hundert Metern verlassen wir den Wald und betreten eine Gegend flacher Gebirgsvegetation. Für die unzähligen Telefonmasten des Landes wurde hier über Jahrzehnte hinweg Raubbau an den einstmals flächendeckenden Cederwäldern getrieben, so dass heute nur noch wenige meist wieder aufgeforstete Waldflächen zu sehen sind. Bereits jetzt haben wir unser Ziel vor Augen: der dunkle, schluchtartige Einschnitt in der vor uns liegenden Bergkette.

Wir haben für diese Wanderung reichlich Wasser mitgenommen und sind jetzt sehr froh darüber. Ungeschützt vor der Sonne ist es hier recht heiß und trocken, der steile Aufstieg tut ein übriges, uns durstig zu machen. In knapp zwei Stunden zweigen wir zum Wasserfall am Helsekloof ab. Die letzten Meter müssen wir über große Felsklötze kraxeln bis wir schließlich davor stehen.

Im Angesicht der Hitze nehmen wir ein erfrischendes Bad im kühlen Wasser und legen uns anschließend auf die faule Haut. Nach zwei Stunden machen wir uns ausgeruht auf den Rückweg. War der Aufstieg eher anstrengend geht es jetzt recht flott zurück ins Tal. Am frühen Abend treffen wir wieder bei unseren Zelten ein. Jetzt sind wir froh über unsere gute Vorsorge für diesen Abend ein Braai geplant zu haben. So sitzen wir wenig später am Lagerfeuer und braaien (südafrikanisch: grillen) leckere Würstchen. Dazu gibt es Mango-Chutney und Folienkartoffeln. Wir sitzen bis spät in die Nacht zusammen am Feuer.

 

30. Januar 2002

Am Morgen frühstücken wir kurz und bauen die Zelte ab. Wenig später fahren wir weiter gen Norden auf einer weiteren abenteuerlichen Schotterpiste. Wir sehen eine Schildkröte, die die Piste dem unwegsamen Gelände vorzieht, das uns hier umgibt. Immer wieder passieren wir einsam gelegene Siedlungen inmitten einer spärlich bewachsenen Steinwüste. Am späten Vormittag erreichen wir Clanwilliam und frischen hier unsere Vorräte auf, tanken und lassen uns den defekten Reifen für umgerechnet 3 € reparieren. Von hier ab sind es nur noch wenige Kilometer zurück auf die N7. Vor uns liegen noch knapp 700 km, die wir heute bis zum Fish-River-Canyon zurücklegen wollen. Schnell ändert sich auch die Landschaft: Je weiter wir nach Norden kommen, umso karger wird es, schließlich fahren wir in einer Steinwüste. Zur Mittagszeit machen wir an einem der zahlreichen Rastplätzen Halt und legen ein köstliches Picknick ein. Aber heute müssen wir uns etwas ranhalten. Die Fahrt ist noch weit.

Am späten Nachmittag überqueren wir in Vioolsdrif die Grenze nach Namibia. Landschaftlich ändert sich wenig, außer, dass es wieder etwas steppenartiger wird. Trockenes Gras auf steinig-sandigem Grund wohin das Auge blickt.

Nach gut 50 Kilometern zweigen wir von der N7, die jetzt B1 heißt, nach Westen ab. Namibia verfügt über ca. sieben geteerte Schnellstraßen, alle anderen Straßen sind ausnahmslos Schotterpisten, dafür aber von meist guter Qualität.

Über eine solche erreichen wir am Abend Ai-Ais am Fish-River-Canyon. Diesen suchen wir hier allerdings vergebens und auch die Tankstelle ist bereits geschlossen. So machen wir uns bei Sonnenuntergang auf den noch ca. 60 Kilometer langen Weg nach Fish River, wo wir einen Campingplatz für die Nacht gebucht haben. Im Dunkeln erreichen wir den Park und können uns einen Platz zum Übernachten aussuchen. Wir schaffen es sogar noch, Nudeln mit Tomatensoße zu zaubern und ein Bad im Pool mit überwältigendem Sternenblick zu nehmen, bevor wir müde in den Zelten verschwinden.

 

zum Western Cape...zum Fish River Canyon...