Fish River Canyon

31. Januar 2002

Als Geraldine und ich gegen 5 Uhr am Morgen aufstehen ist es noch duster. Von unserem Camp aus ist es noch eine halbe Stunde Fahrt über eine staubige Schotterpiste bis zum Rand des Canyons. Als in unserem Rücken schließlich die Sonne aufgeht bietet sich uns ein grandioses Bild: In fantastischen Farben erstrahlt der gegenüberliegende Rand des Canyon unter einem wolkenlosen Himmel.

Der Canyon selbst liegt noch im Schatten des Hochplateaus, deshalb beschließen wir etwas später (nach dem Frühstück ;-)) noch einmal mit Steffen und Gudi hierher zu fahren. Als wir wieder zum Auto laufen wollen bemerken wir einen dunklen Punkt am Horizont, der schnell näher kommt, viel schneller als ein Auto jedenfalls. Wenige Sekunden später wissen wir, was da los ist. Ein Kleinflugzeug passiert uns in 20 Meter Entfernung und sehr geringer Höhe und taucht dann in den Canyon ein - die kostspielige Variante der Canyonbesichtigung.

 

Auf dem Rückweg fahren wir in die Sonne hinein - zumindest hat es so den Anschein. Die Sonne steht zwar noch tief am Himmel, brennt aber schon ganz ordentlich auf uns und lässt die Rinde der Köcherbäume in goldenem Glanz erleuchten. Als wir wieder zum Camp zurück kommen erwartet uns eine Überraschung. Bisher haben wir das Camp nur im Dunkeln gesehen, jetzt bietet sich uns ein unerwartetes Bild. Einer Oase gleich strahlt uns frisches Grün entgegen, eine Wohltat für die Augen, wenn man tagelang nur Steinwüsten und vertrocknetes Gras zu Gesicht bekommen hat.

 

Zusammen mit Gudi und Steffen frühstücken wir gemütlich und packen dann unsere Zelte wieder ein. Etwa zwei Stunden später sind wir wieder am Hauptaussichtspunkt und können diesmal in den voll ausgeleuchteten Canyon blicken - was uns sehr beeindruckt.

Der Fish River Canyon ist übrigens der zweitgrößte Canyon der Welt - nach dem Grand Canyon in den USA. Wie jetzt - in der Trockenzeit - ist der Fish River mehr oder weniger ausgetrocknet, nur noch grünlich schimmernde Flecken am Grund des Canyons zeichnen die letzten Wasserlöcher nach. Wir fahren weiter entlang der Abbruchkante auf winzigen Wegen, die mit größeren Felsbrocken gespickt sind - aber es lohnt sich. Immer wieder blicken wir hinunter in das Tal und staunen immer wieder darüber, wie steil sich das Wasser seinen Weg in das Gestein gespült hat - bis zu 549 Meter tief! Eigentlich hatten wir geplant eine Wanderung in den Canyon zu unternehmen, aber während der Sommermonate ist der Zugang gesperrt - wohl wegen der extrem hohen Temperaturen, bei denen es sich kaum wandern ließe.

Entlang des Weges entdecken wir ab und zu ein Tier - mal ein Klippspringer, mal ein Streifenhörnchen - und wundern uns, was sie hier zum Fressen finden. Schließlich brechen wir wieder auf und lassen den Canyon hinter uns zurück. Wir wollen heute noch nach Sesriem, wo wir einen Campingplatz für die kommende Nacht gebucht haben. So geht unsere Fahrt zunächst nördlich auf der C12 und weiter östlich auf der B4 nach Keetmanshoop. Hier halten wir uns nur kurz auf, kaufen frischen Getränke und Lebensmittel ein, ziehen Geld am Bankautomaten. Die deutsche Vergangenheit Namibias spiegelt sich zwar weniger in der Architektur, aber dafür viel mehr in den Namen von Straßen wider. Das ehemalige Kaiserliche Postamt liegt übrigens an der 5th Avenue (auch die Briten haben ihren Anteil an der Geschichte des Landes). Angesichts der langen Strecke, die vor uns liegt, haben wir uns entschlossen, nicht den vermutlich reizvolleren Weg auf kleineren Strassen zu fahren, sondern uns der B1 bis kurz vor Mariental zu folgen und dann auf die C 19 nach Maltahöhe abzubiegen. Trotz allem wird die Fahrt anstrengend, aber sie lohnt sich. Über den Zarishoogte Pass gelangen wir in eine noch kargere Gegend, wo kaum ein Busch wächst.

Auf der Weiterfahrt Richtung Witwater halten wir an einem Kameldornbaum, der ein riesiges Nest trägt. Es ist die Herberge für bis zu 300 Soziale Webervögel, die in einer einzigartigen Gemeinschaft leben. Das Nest kann bis zu 6 Tonnen wiegen und einen Baum auch schon mal umstürzen. Diese Exemplar hier ist schon recht groß, scheint aber verlassen. Unter dem Baum liegen massenhaft halbmondförmige Früchte desselben, aus denen man gut Rasseln oder Windspiele basteln kann. Als wir weitern gen Nordwesten fahren verändert sich die Landschaft abermals. Das golden schimmernde Gras ist von vereinzelten Bäumen durchsetzt, ein typisches Bild und Inbegriff der Savanne.

Springböcke sind mit einer erstaunlichen Regelmäßigkeit alle 5 Kilometer zu sehen, auch später fällt uns das auf. Vermutlich hängt das mit dem Revierverhalten der Tiere zusammen, aber sicher sind wir uns nicht. Am späten Nachmittag ändern wir dann unsere Pläne und fahren zu einer privaten Lodge. Gudi möchte mal wieder in einem Bett liegen und auch uns ist das Angebot nicht unwillkommen, umfasst es doch ein gutes Abendessen. Auch während der ca. halbstündigen Fahrt auf dem umzäunten Gelände sehen wir einige Springböcke. Schließlich erreichen wir das im afrikanischen Stil gehaltene Gästehaus und sind beeindruckt. Keinen Kilometer dahinter beginnt bereits die Namib mit ihren hohen Dünen - eine herrliche Aussicht. Unsere Unterkunft ist halb Zelt, halb Lehmhütte, aber mit noblen Interieur. Nach einer erfrischenden Dusche geht es auch schon zum Abendessen, das uns fantastisch mundet - auch wenn wir hier keine French cuisine mit namibianischem Einschlag vermutet hätten. Bei Klängen traditioneller namibianischer Musik genießen wir etwas später den Sternenhimmel vom Dach unsere Hütten aus. Reichlich geschafft von der vielen Fahrerei fallen wir später ins Bett und selbst von hier können wir den Ausblick auf die Wüste genießen, die wir morgen näher erkunden wollen....

 

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